Polizist schießt versehentlich Reporter ins Bein

Heute kam es zu einem „Zwischenfall“ bei einem Pressetermin in Bremerhaven [1]. Ein Polizist wollte einem Journalisten seine neue Dienstwaffe präsentieren. Dabei löste sich unbeabsichtigt ein Schuss. Das Projektil durchschlug den Oberschenkel des Redakteurs der Nordsee-Zeitung. Glücklicherweise bestand für den Verletzten keine Lebensgefahr. Ein pikantes Detail bei diesem Unglücksfall ist die Tatsache, dass der Polizist ausgerechnet ein Polizeiausbilder ist, dem so ein blöder Fehler auf keinen Fall hätte passieren dürfen. Aus den wenigen vorliegenden Informationen [1] lässt sich kein vollständiges Bild über den Unfallhergang machen. Tatsache ist, dass der Polizeiausbilder dem Journalisten zwei unterschiedliche Dienstwaffen Walther P99 und SIG Sauer P6 vorgeführt hat. Der Schuss löste sich aus der SIG Sauer, ursächlich wird die Tatsache betont, dass die SIG Sauer keinen Sicherungshebel hat. Das kann aber keine Ausrede dafür sein, dass sich „versehentlich“ ein Schuss gelöst hat.

SIG_Sauer_P6

SIG_Sauer_P6

Der Polizeiausbilder hat vier elementare Fehler begangen:

  1. Eine Waffe wird nicht auf Menschen gerichtet.
  2. Für Vorführungen werden prinzipiell keine geladenen Waffen verwendet.
  3. Jeder Schütze hat sich vom Ladezustand seiner Waffe zu überzeugen und Sicherheit herzustellen.
  4. Solange der tatsächliche Ladezustand nicht kontrolliert wurde muss die Waffe in eine ungefährliche Richtung deuten.

Ein ziviler Waffenbesitzer würde für dieses Versehen streng bestraft werden (Anklage gemäß § 229 StGB, Entzug der waffenrechtlichen Erlaubnis und Einzug sämtlicher Waffen) und das zu Recht! Der Polizist wird wahrscheinlich ebenfalls bestraft werden, vermutlich wird seine Polizeikarriere beendet sein.

Dass solche Unfälle keine Ausnahme sind wird im Artikel der Kreiszeitung dokumentiert. So soll sich 2013 in einem Ueckermünder Polizeirevier ein Schuss gelöst haben, als eine Polizistin einem Praktikanten zeigen wollte wie die Pistole funktioniert [2]. In Wunstorf bei Hannover löste sich beim Reinigen einer Pistole ein Schuss und verwundete einen Polizisten tödlich [3].

Auch Polizisten sind Menschen, deshalb passieren solche Unfälle auch Polizisten. Dass  aber einem Polizeiausbilder ein solcher Fehler unterläuft ist einfach unverständlich. Vielleicht liegt es daran, dass die Polizei in Deutschland mittlerweile durch zahlreiche Einsätze und Überstunden ausgebrannt ist?

 

Quellennachweis:

[1] Martin Sommer (Kreiszeitung): „Polizist schießt Reporter bei Waffenschau ins Bein“ in: http://www.kreiszeitung.de/lokales/bremen/journalist-angeschossen-vorfuehrung-polizeidienstpistole-loeste-sich-versehen-schuss-6149834.html; Stand: 23.02.2016

[2] Nordkurier: „14-Jähriger: Das Praktikum bei der Polizei war ein Knaller“ in: http://www.nordkurier.de/ueckermuende/14-jaehriger-das-praktikum-bei-der-polizei-war-ein-knaller-242043409.html; Stand: 24.09.2013

[3] Hannoversche Allgemeine ™: „Tödlicher Unfall bei der Polizei“ in: http://www.haz.de/Hannover/Aus-der-Stadt/Uebersicht/Toedlicher-Unfall-bei-der-Polizei; Stand: 16.01.2010

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