Deutschland hat Angst

"Die Welt" weiß darüber zu berichten, dass Deutschland Angst hat, doch wovor? So berichtet "Die Welt": „Die Deutschen haben ein gesteigertes Bedürfnis nach Sicherheit. Pfeffersprays und Schreckschusspistolen sind gefragt wie nie – ebenso scharfe Waffen. Die Menschen haben offenbar Angst“ [1]. "Die Welt" wundert sich Offenbar steht "Die Welt" vor einem Rätsel, denn schließlich herrscht kein Krieg und angeblich gibt es auch keinen Anstieg der Gewaltkriminalität. In einem Punkt liegt der Autor Steffen Fründt richtig; es gibt aktuell keinen Krieg in Westeuropa. Allerdings gibt es Bürgerkriege in der Ukraine, in Syrien, im Irak und Unruhen in anderen Ländern. Die Folgen kann jeder in den Medien und auch in seiner näheren und weiteren Nachbarschaft erleben. Zu hunderttausenden kommen Menschen auf der Flucht vor Krieg und Not in dieses Land. Es ist schon lange kein Geheimnis mehr, dass die Grenzwachen schon lange den Überblick darüber verloren hat, wer alles als Flüchtling, Asylant oder Migrant über die Grenzen nach Europa kommt. Noch vor Kurzem wusste "Die Welt" zu berichte, dass tausende eingereiste Flüchtlinge noch vor der Registrierung spurlos verschwinden [2], man könnte auch vermuten, dass diese Menschen einfach untergetaucht sind. In einem weiteren Artikel der Welt konnte nachgelesen werden, dass die für die Migranten zuständigen Behörden in „größerem Ausmaß“ Flüchtlingsausweise verlieren [3]. Solche chaotischen Zuständen sollten schon Sorge bereiten, denn keiner kann wissen, ob unter den Flüchtlingen nicht auch Ganoven, Kriegsverbrecher oder Terroristen sind, von denen eine Gefahr für dieses Land ausgehen kann. „Zahlreiche Indizien deuten darauf hin, dass er [der IS] systematisch arabische Kämpfer nach Europa schleust Offenkundig gründen sie Netzwerke. Und es ist sicher, dass sie Krieg wollen. Der IS weitet den Krieg auf Europa aus“ [4]. Auch "Die Welt" vermutet „Terroristen unter den syrischen Flüchtlingen“ [4]. Neben der Gefahr durch Terroristen weiß "Die Welt" auch über die steigende Zahl der Wohnungseinbrüche zu berichten [5]. Noch vor wenigen Jahren wusste "Die Welt" von einem zumindest regionalen Anstieg der Zahl der Überfälle auf Senioren zu berichten [6]. Lesen die Journalisten eigentlich ihre eigene Zeitung? Tatsache ist, dass "Die Welt" selbst immer wieder Themen aufgreift, die dazu beitragen ein Gefühl der Unsicherheit zu schüren. Wenn sich nun der Steffan Fründt darüber wundert, dass die Menschen in diesem Land versuchen sich auch mit Waffen zu schützen, dann muss die Frage gestattet sein, ob die Journalisten eigentlich ihr eigenes Blatt lesen? Oder besser, lesen die Journalisten irgendeine Zeitung? Denn in fast allen Werken der berichtenden und schreibenden Zunft sind vielfältige Nachrichten zu finden, die dazu beitragen, dass sich die Menschen Sorgen machen müssen. Halbwissen und Fakten Tatsächlich verzeichnen die Waffenhändler einen ungewöhnlichen Anstieg beim Verkauf von Pfeffersprays und anderen freien Mitteln zur Selbstverteidigung. Für Steffen Fründt ist die Vorstellung aber gewöhnungsbedürftig, dass sich die Menschen mit Reizgaswaffen zur Selbstverteidigung eindecken, denn schließlich sind das nach seiner Meinung „ gefährliche Distanzwaffen", denn der Einsatz von Pfefferspray fällt schließlich unter das Verbot von chemischen und bakteriellen Waffen durch das Genfer Protokoll. Mit dieser Halbwahrheit oder mit diesem Halbwissen versucht der Journalist offenbar Angst vor den Menschen zu erzeugen, die sich lediglich selbst zu schützen versuchen. Tatsache ist, dass das Genfer Protokoll von 1925 den Einsatz von Reizstoffen für den Kriegseinsatz nicht geächtet hatte. Erst mit der Chemiewaffenkonvention von 1992 wurden auch Chemikalien, die eine nur vorübergehende Handlungsunfähigkeit herbeiführen als Kampfmittel verboten. Das Verbot von Reizstoffen als Kriegswaffe ist der Tatsache geschuldet, dass sich sonst das Genfer Protokoll im Klein-Klein der unterschiedlichster Chemikalien verloren hätte, also wurden alle Chemikalien verboten. Als Mittel zur Bekämpfung von Unruhen sind Reizstoffe nicht verboten. Der Wirkstoff im Pfefferspray Oleoresin-Capsicum kann in kleinen Mengen sogar ohne großen Aufwand durch Destillation von geeigneten Nachtschattengewächsen (Paprika, Pfefferoni, etc.) gewonnen werden. In den käuflichen Peffersprays wurde der Reizstoff künstlich und hochkonzentriert hergestellt. Die Wirkung besteht darin, dass die Schleimhäute der Augen und des Nasen-Rachen-Raumes stark anschwellen und betroffene Bereiche der Haut stark irritiert wird. Nur in sehr seltenen Fällen, z.B. für Asthmatiker kann es nach einer Exposition zu lebensbedrohlichen Zuständen kommen. Der Wirkstoff stimuliert bestimmte Sinneszellen wodurch bestimmte Neurotransmitter ausgeschüttet werden und somit zu akutem Schmerzempfinden und zu Entzündungsreaktionen führen. Im Resultat wird das Opfer in seiner Handlungsfähigkeit stark eingeschränkt. Polizisten berichten aber auch aus ihrer beruflichen Erfahrung, dass einige Menschen auch nicht oder kaum auf den Reizstoff ansprechen. Der Experte tritt auf Neben Pfefferspray und Schreckschusswaffen werden offenbar auch vermehrt scharfe Waffen nachgefragt. Steffen Fründt weiß zu berichten, dass seit der Einführung des Nationalen Waffenregisters die Anzahl der registrierten Privatballermänner, gemeint sind behördlich genehmigte Schusswaffen in den Händen der Bürger, um 290.000 Stück zugelegt hat. Der einschlägig bekannte Verfechter einer Entwaffnung mündiger Bürger Roman Grafe weiß zu berichten, dass das Problem „der Moment [ist], wenn sie [die Waffen] zum Einsatz kommen“. Immerhin wurden nach den Recherchen von Roman Grafe seit 1991 mindestens 160 Menschen mit Waffen von Sportschützen getötet". Dass im Gegensatz zu Roman Grafe echte Experten der Polizei und Staatsanwaltschaft im privaten Waffenbesitz kein Problem erkennen können [8] interessiert natürlich nicht. Roman Grafe ist auch der Meinung, dass der einfachste Weg an eine Waffe zu kommen der ist einem Schützenverein beizutreten, denn das dauert nur ein Jahr und . Die Überprüfung der Zuverlässigkeit ist eher oberflächlich, wohingegen es nicht so einfach ist eine Waffe auf dem Schwarzmarkt zu erwerben. Nun jeder Legalwaffenbesitzer weiß, dass die Zuverlässigkeitsprüfung alles andere als oberflächlich ist. Als Waffenbesitzer benötigt man eine blütenweiße Weste und steht unter permanenter Überwachung. Während z.B. ein Roman Grafe nach einer Fahrt unter Alkoholeinfluss mit ein paar Wochen Führerscheinentzug bestraft wird verliert der legale Waffenbesitzer seine Waffen, dann ist es auch schon Schluss mit dem Hobby. Fazit Wenn sogar „Die Welt“ über Wohnungseinbrüche, Überfälle auf Senioren, untergetauchte Flüchtlinge und das Schlachtfeld Europa berichtet, kann man es dem braven Bürger dann verübeln, wenn er sich verunsichert fühlt und im Notfall nicht völlig schutzlos sein möchte? Die Politik betreibt seit Jahren Personalabbau, Polizeiposten werden gestrichen, die verbleibenden Polizeikräfte dürfen größere Reviere betreuen und schieben Überstunden ohne Ende. Dann kommt das grandiose Versagen der Politik in der Migrantenkrise hinzu. Im Ergebnis hat die Polizei kaum noch die Möglichkeit ihrem normalen geregelten Dienst nachzugehen. So darf es nicht wundern, wenn dann ein Bürger der Opfer einer Straftat geworden ist von der Notrufzentrale mitgeteilt bekommt, dass gerade kein Streife zur Verfügung steht [9]. In diesem Fall ist es geradezu grotesk, wenn sich ein Journalist über die Tatsache wundert, das sich die Bürger bewaffnen, denn das staatliche Gewaltmonopol wurde offenbar vom Staat zumindest in Teilen aufgekündigt. Doch wovor? [1] Steffen Fründt (Die Welt) „Verängstigte Deutsche greifen zur Waffe“ in: http://www.welt.de/wirtschaft/article149324141/Deutschland-hat-Angst-und-greift-zur-Waffe.html; Stand: 27.11.2015 [2] Die Welt (dpa/we): „Tausende Flüchtlinge verlassen Unterkünfte auf eigene Faust“ in: http://www.welt.de/politik/deutschland/article148206719/Tausende-Fluechtlinge-verlassen-Unterkuenfte-auf-eigene-Faust.html; Stand: 29.10.2015 [3] Die Welt: „Beim Bundesamt verschwinden die Flüchtlingsausweise“ in: http://www.welt.de/politik/deutschland/article148073299/Beim-Bundesamt-verschwinden-die-Fluechtlingsausweise.html; Stand: 27.10.2015 [4] Alfred Hackensberger (Die Welt): "Das nächste große Schlachtfeld ist Europa“ in: http://www.welt.de/politik/ausland/article143186475/Das-naechste-grosse-Schlachtfeld-ist-Europa.html; Stand: 29.06.2015 [5] Die Welt: „Wohnungseinbrüche“ in: http://www.welt.de/themen/wohnungseinbrueche/; Stand: 27.11.2015 [6] Die Welt: „Zahl der Überfälle auf Senioren steigt“ in: http://www.welt.de/regionales/berlin/article2104839/Zahl-der-Ueberfaelle-auf-Senioren-steigt.html Stand: 14.06.2008 [7] Wikipedia: „Reizstoff“ in: https://de.wikipedia.org/wiki/Reizstoff#Einsatzformen; Stand: 27.11.2015 [8] Mediathek des Deutschen Bundestages: „Anhörung vor dem Innenausschuss über die Verschärfung des Waffenrechts“ in: http://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2012/38825769_kw21_pa_inneres/208450?view=DEFAULT; Stand: 21.Mai 2012 [9] Süddeutsche Zeitung (bica): „Polizei hat keine Zeit, um Juwelier-Diebe zu verhaften“ in: http://www.sueddeutsche.de/muenchen/grafing-polizei-hat-keine-zeit-um-juwelier-diebe-zu-verhaften-1.2741224; Stand: 17.11.2015
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