Nix Neues vom Geyer

Einbrecher in Hamburg erschossen
Diese Woche wurde in Hamburg ein „mutmaßlicher“ Einbrecher von einem bewaffneten Hausbesitzer erschossen [1]. Anders als im Fall von Hannover [2] blieben die Medien erstaunlich ruhig und die wenigen Berichte wurden vergleichsweise sachlich abgefasst. Kein Politik-Autor oder Kolumnist übte sich in sophistischen Betrachtungen über die Unmoral des privaten Waffenbesitzes und der damit geübten Selbstjustiz [3,4].

Keine legale Waffe
Aber vielleicht übten sich die Medien auch nur in Enthaltsamkeit, weil dieser Fall sich einfach nicht für eine Moralpredigt über den Wahnsinn des privaten Waffenbesitzes eignet, weil die Tatwaffe, einmal mehr, keine legale Waffe war [5]? Das heißt die Waffe wurde von keiner Behörde registriert. Diese Waffe wurde von jemandem besessen, der keine Waffensachkunde ablegen musste, der sich keiner eingehenden behördlichen Durchleuchtung unterziehen musste. Diese Waffe wurde von jemandem besessen, der sich keinen Regelüberprüfungen und unangemeldeten Hausbesuchen aussetzen musste. Diese Waffe wurde von jemandem besessen, der vermutlich auch keinen zertifizierten Waffentresor für die sichere Aufbewahrung beschafft hat. Dieser Jemand musste sich deshalb nie von den Qualitätsmedien schwerste Diskriminierungen als „Waffennarr“ und „potentieller Mörder“ gefallen lassen. Ja dann darf sich dieser jemand auch in diesem Fall sicher sein, dass die Medien weiterhin vergleichsweise desinteressiert bleiben und sich statt dessen lieber am nächsten Fall mit legalen Waffen in Empörung und moralischer Überlegenheit üben.

Hamburg vs. Hannover
Worin liegen nun genau die Unterschiede der beiden Fälle von Hannover und Hamburg? In beiden Fällen handelte es es sich um Einbrecher. In beiden Fällen wurden durch einen Hausbewohner ein Einbrecher getötet. In Hannover besaß der Schütze die Waffe legal, im Fall von Hamburg besaß der Schütze die Waffe ohne behördliche Genehmigung. In Hannover lag ein Einbruchsversuch vor, die Einbrecher befanden sich aber noch außerhalb des Hauses. Der Hausbewohner öffnete die Haustür und schoss ohne Vorwarnung auf die Einbrecher. Die Obduktion ergab, dass der mutmaßliche Einbrecher von hinten erschossen wurde. Damit dürfte es dem Anwalt des Schützen schwerfallen vor dem Gericht eine rechtfertigende Notwehrhandlung plausibel darzustellen. Der Schütze hat in diesem Fall schrecklich falsch gehandelt. Im Fall von Hamburg hatte sich die Einbrecher bereits mit massiver Gewaltanwendung Zutritt zum Haus verschafft. Einer der Einbrecher wurde vom Schützen mit einem Schuss in die Brust getötet. Unter diesen Umständen dürfte wohl niemand ernsthaft eine möglicherweise lebensbedrohende Situation für den Hausbesitzer anzweifeln. In diesem Fall wird die Staatsanwaltschaft voraussichtlich eine rechtfertigende Notwehrhandlung anerkennen. Ungestraft wird der Schütze jedoch wohl kaum davonkommen, denn erstens besaß er die Schusswaffe illegal und zweitens dürfte es auch ein stark belastendes Trauma hinterlassen einen Menschen getötet zu haben. In diesem Fall hat der Schütze richtig gehandelt, besaß aber keine Waffenrechtliche Erlaubnis.

Quellennachweis

[1] Thomas Röthemeier (Bild.de): „Mutmaßlicher Einbrecher in Hamburg erschossen!“ in:
http://www.bild.de/news/inland/schiesserei/in-hamburg-jenfeld-mutmasslicher-einbrecher-getoetet-41480916.bild.html; Stand: 24.06.2015

[2] Steven Geyer (Mediengruppe DuMont Schauberg): „Hausbesitzer erschießt 18-jährigen Einbrecher“ in: http://www.ksta.de/panorama/totschlags-verdacht-in-hannover-hausbesitzer-erschiesst-18-jaehrigen-einbrecher,15189504,30904638.html; (Kölner Stadt-Anzeiger); Stand: 09.06.2015

[3] Steven Geyer (Kölner Stadt-Anzeiger): „Die Folgen der Selbstjustiz“ in: Kölner Stadt-Anzeiger vom 11.06.2015

[4] Schussendlich: „Was weiß der Geyer? Teil I“ in: http://volkert.caliber-corner.de/2015/06/21/was-weiss-der-geyer-teil-i/ ; Stand: 21.06.2015

[5] n-tv Online: „Schütze ohne WaffenscheinEinbrecher starb durch Brustschuss“ in: http://www.n-tv.de/panorama/Einbrecher-starb-durch-Brustschuss-article15379741.html; Stand: 25.06.2015

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