Unzureichende Aufbewahrungskontrollen?

Der Blog „Waffen – Waffenbesitzer – Waffenrecht“ [1] hat einen Beitrag über eine Sendung des WDR gebracht. In der Sendung wird über die unzureichenden Waffenkrontrollen in NRW berichtet [2]. Von der Intention her ist die Sendung so angelegt, dass dem unbedarften Zuschauer eine Bedrohung durch den privaten Waffenbesitz vorgegaukelt wird. Schon die Anmoderation der Sendung macht dem Zuschauer klar wohin die Reise geht: „Zunächst mal 'ne Frage: Wissen sie ob ihr Nachbar eine scharfe Waffe im Schrank hat?“ Welchen Zweck kann diese Frage haben als für den unbedarften Zuschauer eine Drohkulisse aufzubauen? Offenbar ist dem Moderator das Bundeslagebild Waffenkriminalität nicht bekannt [3], wonach für die Bevölkerung das aus der Waffenkriminalität resultierende Gefährdungspotenzial insgesamt als gering zu bewerten ist. Danach geht es im Text schon etwas sachlicher zu. Es werden tatsächlich ein paar Fakten genannt, die Zahl der Schusswaffen im Land, die Pflicht zur sicheren Aufbewahrung und die gesetzlich vorgeschriebenen Aufbewahrungskontrollen. Und hier beginnt schon die Kritik an der Durchführung der Aufbewahrungskontrollen, nach Aussage des Moderators ist die Kontrolle nicht engmaschig genug. Dennoch werden einige Erfolge aus dem Polizeipräsidium Aachen berichtet. Mehr als 80 Gewehre, tausende Schuss Munition über einhundert Kurzhandwaffen. Die gezeigten Bilder sind für einen unbedarften Laien natürlich schon beeindruckend, wenn nicht gar einschüchternd. Wenn man sich allerdings in der Materie ein wenig auskennt vermitteln die Bilder eher einen niedlichen Eindruck. Ich habe mal versucht die Bilder zu analysieren, leider ist die Qualität sehr bescheiden, dennoch lässt sich einiges erkennen. Die erste Kiste enthält fast nur Platzpatronen, Gaspatronen und Pyrotechnik für Sylvester. Ich kann nur vermuten, dass die runden Schachteln Flobert-Munition enthalten.
"tausende Schuss Munition..." (Quelle: WDR Westpol [2])

"tausende Schuss Munition..." (Quelle: WDR Westpol [2])

Die zweite Kiste enthält augenscheinlich tatsächlich zwei Schachteln scharfe KK-Munition (RWS R50 und Eley Sport). Der Rest (schwarze und blaue Patronen mit Hülsenboden aus Messing) ist offenbar Manövermunition (Platzpatronen) aus Bundeswehrbeständen.
"tausende Schuss Munition..." (Quelle: WDR Westpol [2])

"tausende Schuss Munition..." (Quelle: WDR Westpol [2])

Auch bei den gezeigten Kurzwaffen scheinen ein paar freie Schreckschusswaffen dabei gewesen zu sein. Darauf deutet auch der Kommentar vom Waffensachverständigen vom Polizeipräsidium Aachen hin: "Was uns dann natürlich besonders am Herzen liegt sind natürlich die scharfen Schusswaffen...." Im Weiteren wird die Belastung der Beamten Thematisiert, die die Kontrollen nebenher machen müssen und kaum hinterher kommen. Diese Situation war schon bei der Einführung der Vor-Ort-Kontrollen abzusehen, denn weil das Waffenrecht Bundesrecht ist, die Durchführung aber Ländersache hat sich bei der Gesetzesverschärfung niemand Gedanken über die Kosten und Auswirkungen gemacht. Eine interessante Information ist die Feststellung, dass es bei Jägern und Sportschützen kaum Beanstandungen gibt. Die meisten Unregelmäßigkeiten werden bei den sogenannten Altbesitzern festgestellt. Das sind Leute die irgendwann in den 70er-Jahren ihre meist kleinkalibrigen Waffen noch über das Versandhaus erworben und danach mit der ersten großen Waffenrechtsverschärfung auch brav registriert haben. Diese Altbesitzer oder auch Erben solcher Waffen haben die Gesetzesverschärfungen überhaupt nicht wahrgenommen. Hier hat der Gesetzgeber es versäumt die Altbesitzer proaktiv aufzuklären. Im Gegensatz zu den aktiven Jägern und Schützen, die in der Regel über die Verbände und Vereine hinreichend informiert und aufgeklärt wurden, wissen Altbesitzer häufig nicht über die strengen Vorschriften zur gesetzlich vorgeschriebenen sicheren Aufbewahrung von Waffen und Munition Bescheid. Wen wundert es dann, wenn diese Clientel bei den Kontrollen häufig negativ auffällt? Realitätsfern ist die Kritik an der Durchführung der Kontrollen. Von 49 Waffenbehörden in NRW führen nur 19 unangekündigte Kontrollen durch. Der Rest kündigt Kontrollen an oder begnügt sich mit schriftlichen Nachweisen der Waffenbesitzer. Hier stellt sich die Frage nach der Effizienz der Durchführungsmaßnahmen wenn die Kontrolleure unangekündigt vor verschlossenen Türen stehen, weil die Waffenbesitzer möglicherweise wie andere Bürger auch arbeiten gehen müssen. Wie oft werden die Kontrolleure wohl unverrichteter Dinge wieder abziehen, bevor sie Erfolg haben? Ich denke die Arbeitszeit dieser Beamten kann sinnvoller genutzt werden. Da scheint es schon effizienter zu sein Besuche anzukündigen und dadurch Leerfahrten zu den Waffenbesitzern zu sparen, die gerade mal nicht zu Hause sind. Was ändert sich eigentlich an der Effektivität der Kontrollen, wenn diese mit Voranmeldung stattfinden? Auch wenn der Vertreter der GdP der Meinung ist, dass dann die Wohnung ordnungsgemäß aussehen wird und die Waffen zu jederzeit weggeschlossen sein müssen, muss dies tatsächlich nicht so sein, denn es ist nicht verboten Waffen außerhalb des Tresors liegen zu haben solange der Waffenbesitzer anwesend ist und zu jedem Zeitpunkt die Kontrolle über die Waffen hat. Viel realistischer ist es, dass jemand der schon eine Menge Geld in die Hand nimmt einen zugelassenen Waffentresor erwirbt, diesen vorschriftsmäßig in Wand und Boden verdübelt, seine Waffen eher nicht unter dem Kopfkissen in der Garderobe oder im Wohnzimmer unter der Couch aufbewahrt. Dazu sind die Waffen häufig auch viel zu wertvoll und zu empfindlich. Und zum Abschluss des WDR-Beitrages durfte auch der Hinweis nicht fehlen, dass die Grünen die zentrale Aufbewahrung von Waffen fordern. Dabei stellt gerade die zentrale Aufbewahrung eine reale Gefahr dar [4]. Quellennachweis: [1] Waffen – Waffenbesitzer – Waffenrecht: „Unzureichende Kontrollen?“ in: https://lawgunsandfreedom.wordpress.com/2015/06/18/unzureichende-kontrollen/; Stand: 18.06.2015 [2] WDR Westpol: „Unzureichende Waffenkontrollen“ in: http://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/westpol/videounzureichendewaffenkontrollen100.html; Stand: 18.06.2015 [3] Schussendlich: „Bundeslagebild Waffenkriminalität 2014“ in: http://volkert.caliber-corner.de/2015/06/10/bundeslagebild-waffenkriminalitaet-2014/; Stand: 10.06.2015 [4] Waffen – Waffenbesitzer – Waffenrecht: „Es lebe die Zentrallagerung“ in: https://lawgunsandfreedom.wordpress.com/2015/06/05/es-lebe-die-zentrallagerung/; Stand: 05.06.2015
%d Bloggern gefällt das: