Sterbeursachenstatistik nach ICD-10

Der Nachfolgende Artikel ist auf Anregung von Katja Triebel entstanden, die mir freundlicherweise das Datenmaterial [1] zwecks Auswertung zur Verfügung gestellt hat. Da Katja in ihrem Blog bereits angekündigt hat [2], dass ich die Auswertungen veröffentlichen werde, bin ich nun dieser Aufforderung endlich nachgekommen. An dieser Stelle möchte ich mich bei Katja für die Zurverfügungstellung des Datenmaterials und die anregenden Diskussionen bedanken.

Einführung

Es liegen die Daten der Sterbeursachenstatistik von 1998 bis 2013 vor.

Quelle ist das Informationssystem der Gesundheitsberichterstattung des Bundes [1]. Diese Daten dienen in erster Linie zur Beurteilung der Gesundheitslage der Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland. Zur Gesundheitlichen Lage werden u.a. auch die Sterbeursachen erfasst. Hierbei orientiert sich das Informationssystem an der von der WHO herausgegebenen internationalen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme ICD-10. Die Sterbeursachen werden demgemäß mit einem international gültigen alphanumerischen Code klassifiziert. Z.B. werden Unfälle je nach Ursache mit V01 bis X59 codiert. Interessant hierbei ist die Tatsache, dass auch Verletzungen durch Schusswaffen als Todesursache statistisch erfasst werden. Im Folgenden wird deshalb die Auswertung der Sterbefälle deren Ursachen Schusswaffen waren. Auf diese Weise sollte die Relevanz von Schusswaffen als Todesursache ermittelt werden.

Datenlage

Es liegen die Daten der Sterberursachenstatistik von 1998 bis 2013 vor. Diese Daten beinhalten die absoluten Fallzahlen neben den Sterbeziffern (bezogen auf 100.000 Einwohner) sowie die alterstsandardisierte Sterbeziffer. Die Sterbeziffern liegen dabei mit einer Genauigkeit von nur einer Nachkommastelle vor. Deshalb sind die Sterbeziffern mit Schusswaffen als Ursache häufig nur mit Null angegeben. Beispielsweise wurden in 1998 zwei Fälle tödlicher Unfälle mit Handfeuerwaffen registriert. Diesen zwei Fällen entsprechen gemäß der vorliegenden Daten Sterbeziffern von Null.

Mit den Daten der Bevölkerungsentwicklung aus [3] können jedoch die Sterbeziffern berechnet werden.

Sterbeziffer = Fallzahl * Bevölkerung / 100.000

Damit ergeben z.B. die beiden Sterbefälle aus 1998 eine Sterbeziffer von 0,0024.

Vorgehensweise

Die Daten aus 1998 bis 2013 wurden zunächst in eine einzelne Tabelle übertragen (Rohdaten).

Anschließend wurden die Daten mit Bezug zu Feuerwaffen ausgefiltert und zur weiteren Auswertung aufbereitet. Dabei wurden die folgenden Sterbeursachen gemäß ICD-10 berücksichtigt:

V01-Y98 Äußere Ursachen von Morbidität und Mortalität und Folgezustände äußerer Ursachen

V01-X59 Unfälle

W32 Unfall durch Handfeuerwaffe

W33 Unfall durch Gewehr, Schrotflinte und schwerere Feuerwaffe [Schusswaffe]

W34 Unfall durch sonstige und nicht näher bezeichnete Feuerwaffen [Schusswaffen]

X60-X84 Vorsätzliche Selbstbeschädigung

X27 bis X74: Vorsätzliche Selbstbeschädigung durch Schusswaffe

X85-Y09 Tätlicher Angriff

X93 Tätlicher Angriff mit Handfeuerwaffe

X94 Tätlicher Angriff mit Gewehr, Schrotflinte oder schwererer Feuerwaffe [Schusswaffe]

X95 Tätlicher Angriff mit sonstiger oder nicht näher bezeichneter Feuerwaffe [Schusswaffe]

Dabei beinhaltet die Kategoriengruppe V01-Y98 die Gesamtheit aller Sterbeursachen durch äußere Ursachen. Hierunter fallen Transportmittelunfälle ebenso wie Stürze, Kontakt mit giftigen Tieren und Pflanzen bis hin zu Stromunfällen und die Einwirkung von Naturkräften.

Die Unterkategoriengruppe V01-X59 beinhaltet die Gesamtheit aller Sterbefälle auf Grund Unfällen im Statistikjahr. Aus dieser Unterkategorie wurden speziell die Unfälle gemäß W32 (Handfeuerwaffen, gemeint sind hier vermutlich Kurzwaffen), W33 Unfälle mit Langwaffen, sowie W34 Unfälle durch sonstige nicht näher bezeichnete Feuerwaffen.

Die Unterkategoriengruppe X60-X84 beinhaltet die Gesamtheit aller Sterbefälle auf Grund vorsätzlicher Selbstbeschädigung. Unter diesem Begriff werden die Suizide zusammengefasst. Bei diesen Auswertungen wurden die Fallzahlen für die vorsätzliche Selbstbeschädigung durch Handfeuerwaffen (X72), vorsätzliche Selbstbeschädigung durch Gewehr, Schrotflinte oder schwere Feuerwaffe (X73) sowie vorsätzliche Selbstbeschädigung durch sonstige oder nicht näher bezeichnete Feuerwaffe summiert und in den Auswertungen als vorsätzliche Selbstbeschädigung mit Schusswaffe zusammgefasst dargestellt.

Als weitere Sterbeursachen wurde für die nachfolgenden Auswertungen die Unterkategoriengruppe X85-Y09 - Tätlicher Angriff – ausgewählt. Hierunter fallen alle tätlichen Angriffe durch Ertränken und Strangulation bis hin zur Verwendung von scharfen Gegenständen. Aus dieser Unterkategorie wurden speziell die Fallzahlen gemäß X93 Tätlicher Angriff mit Handfeuerwaffe, X94 Tätlicher Angriff mit Langwaffen und X95 Tätlicher Angriff mit sonstiger, nicht näher bezeichneter Feuerwaffe für die Auswertungen ausgewählt.

Auswertungen

Relevanz von Schusswaffen als Sterbeursache: Unfälle

Zunächst wurde die Relevanz von Schusswaffen bezüglich Unfällen als Sterbeursache ausgewertet.

Hierzu wurde aus der Gesamtheit der vorliegenden Daten die Fallzahlen von 1998 bis 2013 aufsummiert und grafisch aufbereitet.

Wie aus der nachfolgenden Abbildung 1 leicht zu ersehen ist, spielen Schusswaffen als Sterbeursache in Folge Unfall kaum eine Rolle, da lediglich bei 0,07% aller Unfälle Schusswaffen als Sterbeursache eine Rolle gespielt haben. Demgegenüber sind 99,93% aller Todesfälle durch Unfall auf andere Ursachen zurückzuführen. Hauptursachen für Sterbefälle auf Grund Unfall sind Transportmittelunfälle (57%) und Stürze (25%).

Sterbeursachenstatistik_Unfälle_K

Sterbeursachenstatistik_Unfälle_K

In der folgenden Abbildung 2 ist der zeitliche Verlauf der Sterbefälle durch Unfall dargestellt. Im Mittel sterben jedes Jahr 14 Menschen durch Schusswaffenunfälle. Die Schwankungsbreite beträgt hier +/- 3 Sterbefälle.

Sterbeursachenstatistik_Unfälle_D

Relevanz von Schusswaffen als Sterbeursache: Selbstbeschädigung

Im Bezug auf Suizide weisen Schusswaffen als Sterbeursache eine deutliche Relevanz auf (Abbildung 3). Bei ca. 8% aller Suizide wurden Schusswaffen verwendet. Damit belegen Suizide mit Schusswaffen in der Rangfolge den vierten Platz. Die meisten Suizide werden übrigens durch Erhängen (ca. 49%), Vergiften (ca. 17%) sowie durch Sturz in die Tiefe (ca. 9%) begangen. Bemerkenswert ist hier auch die Tatsache, dass in immerhin noch 0,6% aller Fälle Suizide durch absichtlich verursachte Kraftfahrzeugunfälle begangen werden. Hierbei muss davon ausgegangen werden, dass hierbei vermutlich auch unbeteiligte Verkehrsteilnehmer gefährdet werden.

Sterbeursachenstatistik_Suizid_K

In der folgenden Abbildung 4 ist der zeitliche Verlauf der Sterbefälle durch Suizid dargestellt. Im Mittel begehen jedes Jahr 10.388 (+/- 688) Menschen Selbstmord. Mit Schusswaffen nehmen sich jedes Jahr durchschnittlich 822 (+/- 60)Menschen das Leben.

Sterbeursachenstatistik_Suizid_D

Sterbeursachenstatistik_Suizid_D

Relevanz von Schusswaffen als Sterbeursache: Tätlicher Angriff

Im Bezug auf tätliche Angriffe weisen Schusswaffen als Sterbeursache eine sehr deutliche Relevanz auf (Abbildung 5). Bei 16% aller tätlichen Angriffe wurden Schusswaffen als Sterbeursache registriert. Die höchste Relevanz als Sterbeursache besitzen scharfe Gegenstände (35%).

Sterbeursachenstatistik_Taetlicher_Angriff_K

Sterbeursachenstatistik_Taetlicher_Angriff_K

Im Bezug auf tätliche Angriffe weisen Schusswaffen als Sterbeursache allerdings eine deutliche Relevanz auf. Bei 16% aller tätlichen Angriffe wurden Schusswaffen als Sterbeursache registriert. Die höchste Relevanz als Sterbeursache besitzen scharfe Gegenstände (35%).

Im Weiteren wurde die Relevanz von Handfeuerwaffen (Pistolen, Revolver) im Vergleich zu Langwaffen (Gewehre) untersucht (Abbildung 6).

Danach ergibt sich das bezüglich der Gesamtzahl aller tätlichen Angriffe mit Schusswaffen Langwaffen (Gewehre und Flinten) als Sterbeursache nur einen Anteil von 15% haben. Auf die Gesamtheit aller Tätlichen Angriffe entspricht dies einem Anteil von ca. 5%. Handwaffen (Pistolen und Revolver) wurden zu 85% als Sterbeursachen registriert. Diese Auswertung beinhaltet einen methodischen Fehler, weil hierbei nicht die Fälle X95 „mit sonstiger oder nicht näher bezeichneter Feuerwaffe“ berücksichtigt wurden. Es wurde hierbei von der Annahme ausgegangen, dass die Zahl der nicht näher bezeichneten Feuerwaffen sich zu gleichen Teilen auf Lang- und Kurzwaffen verteilt. Hierdurch wird wahrscheinlich der Anteil der Langwaffen (X94) zu hoch angesetzt.

Sterbeursachenstatistik_Taetlicher_Angriff_K_Lang_Kurzwaffen

Sterbeursachenstatistik_Taetlicher_Angriff_K_Lang_Kurzwaffen

Nachfolgende Abbildungen (Abbildung 7 und Abbildung 9) zeigen die Entwicklung der Fallzahlen in der Zeitreihe von 1998 bis 2013. In dieser Darstellung gibt die X-Achse die Jahreszahlen der statistischen Erhebung an, die Y-Achse die Anzahl der Opfer. Zunächst ist die Gesamtzahl der Toten durch tätliche Angriffe X85-Y09 (rote Linie) den Fallzahlen durch Schusswaffen (X93, X94, X95) gegenübergestellt.

Sterbeursachenstatistik_Taetlicher_Angriff_D

Sterbeursachenstatistik_Taetlicher_Angriff_D

Sterbeursachenstatistik_Taetlicher_Angriff_D_Nur_Schusswaffen

Sterbeursachenstatistik_Taetlicher_Angriff_D_Nur_Schusswaffen

Es kann festgestellt werden, dass im betrachteten Zeitintervall die Sterbeursache „tätlicher Angriff“ seit 1998 rückläufig ist, wohingegen die Sterbeursache „tätlicher Angriff mit Schusswaffe“ scheinbar nahezu konstant verläuft. Im Diagramm (Abbildung 9) wurden deshalb die Fallzahlen in einer anderen Auflösung dargestellt. Hierbei wird deutlich, dass auch der Trend bezüglich der Sterbeursachen „Tätlicher Angriff mit Schusswaffe“ seit 1998 stark rückläufig ist. Das bemerkenswerte an diesem Bild ist die Tatsache, dass zwei tragische Massenmorde - Erfurt 2002 und Winnenden 2009 - deutlich als Spitzen aus dem allgemeinen Trend herausragen. Der Täter von Erfurt verwendete neben einer Kurzwaffe auch eine sogenannte Pumpgun. Der Täter von Winnenden verwendete der Als Tatwerkzeug nur eine Pistole.

Im Weiteren wurden für die Auswertungen nicht mehr die absoluten Sterbezahlen sondern die Sterbeziffern (auf 100.000 Einwohner normiert) verwendet. Dazu wurden die Daten zur Bevölkerungsentwicklung aus [2] zu Grunde gelegt. Die Bevölkerungsentwicklung ist in der folgenden Abbildung 10 grafisch dargestellt.

Bevoelkerungsentwicklung

Bevoelkerungsentwicklung

Die deutliche Stufe in der Abbildung 10 ist auf den Mikrozensus 2011 zurückzuführen, danach musste die Bevölkerungszahl um 1,4 Millionen Bürger reduziert werden. Hierdurch wird natürlich die Beurteilung schwieriger ob die Trends bezüglich der sinkenden Sterbezahlen durch Tätliche Angriffe (Abbildung 8 und Abbildung 9) eventuell nur auf eine gesunkene Gesamtbevölkerung zurückzuführen ist. Deshalb wurde im Weiteren versucht die Bevölkerungszahl zu korrigieren, um den beobachteten Trend besser beurteilen zu können. Danach ergibt sich die in der Abbildung 11 dargestellte kontinuierliche Bevölkerungsentwicklung. Danach schwankte die Bevölkerung im betrachteten Zeitraum um 0,95%. Eine erste Annahme bezüglich der Tätlichen Angriffe wäre, dass diese im gleichen Maße zwischen einem minimalen und maximalen Wert schwanken sollte.

Bevoelkerungsentwicklung_angepasst

Bevoelkerungsentwicklung_angepasst

Auf den scheint es auf den ersten Blick plausibel, dass im betrachteten Zeitraum auch die Fallzahlen in der gleichen Größenordnung zurückgehen sollten. Wie jedoch schon anhand von Abbildung 8 und Abbildung 9 gezeigt wurde sinkt die Sterberate auf Grund Tätlicher Angriffe im betrachteten Zeitraum von 1998 bis 2013. Danach ergibt sich für die Sterbeursachen auf Grund Tätlicher Angriffe das folgende Bild:

Fallentwicklung_im_Vergelcih_zur_Bevoelkerungsentwicklung

Fallentwicklung_im_Vergelcih_zur_Bevoelkerungsentwicklung

Die Tätlichen Angriffe sind im betrachteten Zeitraum erheblich, weit über das maß der Schwankungsbreite in der Bevölkerungsentwicklung gesunken.

Diese Feststellung läßt nur den Schluss zu, dass die Gesellschaft insgesamt friedlicher geworden ist.

Nachfolgend sind die normierten Darstellungen der bereits weiter oben diskutierten Diagramme zu finden. Zur Interpretation der Sterbezahlen ist es wichtig zu wissen, dass z.B. eine Sterbezahl von 1,0 bedeutet, dass auf 100.000 Einwohner ein Sterbefall der entsprechenden Kategorie kommt. Wie aus den Diagrammen zu erkennen ist spielen Schusswaffen als Sterbeursache spielen eine eher marginale Rolle.

Sterbefaelle_Taetlicher_Angriff_normierte_Darstellung

Sterbefaelle_Taetlicher_Angriff_normierte_Darstellung

Sterbefaelle_Taetlicher_Angriff_normierte_Darstellung_nur_Schusswaffen

Sterbefaelle_Taetlicher_Angriff_normierte_Darstellung_nur_Schusswaffen

Zur Verdeutlichung wurden in 13 die Sterbefälle durch Tätlichen Angriff mit Schusswaffe den Sterbefällen durch Tätlichen Angriffen mit anderen Tatwerkzeugen gegenübergestellt. Im Durchschnitt ist die Wahrscheinlichkeit bei einem Tätlichen Angriff durch eine Schusswaffe zu versterben um einen Faktor 6,6 +/-1 geringer als bei allen anderen Tätlichen Angriffen zusammengenommen.

Sterbefaelle_Taetlicher_Angriff_normierte_Darstellung_zeitliche_Entwicklung

Sterbefaelle_Taetlicher_Angriff_normierte_Darstellung_zeitliche_Entwicklung

Fazit

Unfälle durch Schusswaffen haben nahezu keine Relevanz. Dies kann als Beleg für die Tatsache gewertet werden, dass der Umgang mit Schusswaffen in der Regel durch Vorsicht und Umsicht beschrieben werden kann.

Bei Suiziden besitzen Schusswaffen mit einem Anteil von ca. 8% eine deutliche Relevanz. Jedes Jahr nehmen sich durchschnittlich 822 Personen mittels Schusswaffe das Leben. Es ist jedoch ein Irrglaube anzunehmen dass durch ein generelles Schusswaffenverbot diese Selbstmorde verhindert worden wären. Viel wahrscheinlicher ist es, dass ein zum Selbstmord entschlossener Mensch auf andere Methoden (z.B. Erhängen) zurückgreifen wird. Als Beleg sei hier auf das Beispiel Japan hingewiesen. In Japan ist die Selbstmordrate eine der höchsten der Welt und das bei einer nahezu vollständigen Nichtverfügbarkeit von Schusswaffen [4].

Bei Tätlichen Angriffen haben Schusswaffen eine deutliche Relevanz (16%). Die Wahrscheinlichkeit bei einem Tätlichen Angriff durch eine Schusswaffe zu versterben ist dennoch deutlich geringer als bei allen anderen Tätlichen Angriffen

Wenn man nur die Tätlichen Angriffe mit Schusswaffen betrachtet, haben Kurzwaffen eine deutlich höhere Relevanz. Langwaffen eignen sich eben weniger als Tatwaffe, weil diese nicht versteckt geführt werden können.

Insgesamt betrachtet ist die Relevanz von Schusswaffen dennoch insgesamt als gering einzuschätzen. Interessant hierbei ist auch die Tatsache, dass einzelne Ereignisse (Erfurt und Winnenden) als deutliche Peaks in der langjährigen Sterbestatistik (Tätlicher Angriff mit Schusswaffen) nachweisbar sind. Dies belegt, dass in der Regel nur in vereinzelten Fällen Menschen durch Schusswaffen zu Tode gebracht werden. Betrachtet man die Zeitreihe aller Tätlichen Angriffe so lassen sich die schrecklichen Ereignisse von Erfurt und Winnenden nicht mehr nachweisen. (Die Häufigkeit der Sterbefälle durch Tätliche Angriffe mit Schusswaffen ist eben deutlich zu gering im Vergleich zur Gesamtzahl der Sterbefälle durch Tätliche Angriffe. Es sei an dieser Stelle auf die Unterschiede zur PKS hingewiesen. In der PKS werden Ereignisse/Fälle des Missbrauchs von Schusswaffen erfasst. Dabei spielt die Anzahl der Opfer keine Rolle.

Es kann festgestellt werden, dass die Sterbezahlen durch Schusswaffen seit 1998 stark rückläufig sind.

An dieser Stelle sei noch auf mögliche Fehlerquellen in der Statistik hingewiesen:

In der Statistik werden in der Subkategorie Y36 auch Verletzungen durch Kriegshandlungen erfasst. Dies lässt vermuten, dass ggf. auch Opfer gezählt die durch Ereignisse im Ausland ums Leben gekommen sind.

Unter der Kategorie Y35 werden durch Gesetzliche Maßnahmen verursachte Sterbefälle separat gezählt. Es muss deshalb davon ausgegangen werden, dass in den Zahlen bezüglich Unfälle und Suizide auch die Fallzahlen von Behördenwaffen eingegangen sein dürften, da Unfälle und Suizide sicher nicht als Gesetzliche Maßnahme bewertet werden. Schusswaffenunfälle und Suizide sind z.B. in der Bundeswehr nicht eben selten.

Auch dürfte der Missbrauch von Behördenwaffen nicht als Gesetzliche Maßnahme gelten. Deshalb muss davon ausgegangen werden dass die entsprechenden Fallzahlen in den Kategoriegruppen X93 bis X95 aufsummiert wurden.

Quellennachweis:

[1] Gesundheitsberichterstattung des Bundes: „Das Informationssystem der Gesundheitsberichterstattung des Bundes“ in https://www.gbe-bund.de/; Stand: Februar 2015

[2] Katja Triebel: „Sündenböcke und Prävention“ in: https://legalwaffenbesitzer.wordpress.com/2015/03/28/sundenbocke-und-pravention/; Stand: 28.03.2015

[3] Statistisches Bundesamt: „Bevölkerungsstand“ in: https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/Bevoelkerung/Bevoelkerungsstand/Tabellen_/lrbev03.html;jsessionid=1B124E0B2D25EBC6C20F611A9126E136.cae4; Stand: Februar 2015

[4] Schussendlich: „Japan: Keine Waffen, keine Amokläufe, keine Schulmassaker”; in:

http://volkert.caliber-corner.de/2013/05/11/japan-keine-waffen-keine-amoklaufe-keine-schulmassaker/; Stand: 11.05.2013

 
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