Verharmlosung und Relativierung von Verbrechen.

Wer erinnert sich nicht an den allfälligen medialen Tsunami, wenn Einzeltäter mit legalen Sport- oder Jagdwaffen Unheil anrichten und Menschen töten? Und immer werden gleich alle Legalwaffenbesitzer in Sippenhaft genommen, als Waffennarren und schlimmeres diffamiert und ihre legal erworbenen Sportgeräte als Sportmordwaffen bezeichnet. Häufig wird dann der Öffentlichkeit das Bild des ältlichen, im politischen Spektrum rechts außen stehenden, dem Alkoholgenuss verfallenen, mit einer barbarischen Grundveranlagung ausgestatteten schießwütigen Waffenbesitzers vermittelt der in der Waffe eine sexuelle Symbolik und Stimulanz erkennt und diese zum Ausleben geheimer Machtphantasien benötigt.

Die Waffen stolz gereckt

Um so bemerkenswerter ist deshalb ein Artikel aus dem Berliner Tagesspiegel über vorgeblich traumatisierte Rückkehrer aus den Bürgerkriegsgebieten des Nahen Ostens [1]. Nach Meinung des Autors „haben [diese Rückkehrer] im Dschihad gekämpft, im Heiligen Krieg. Vermutlich haben sie mit vermummten Gesichtern stolz Waffen gereckt und mit der schwarzen IS-Flagge gewedelt. In Syrien oder im Irak, dort, wo sie Angst und Schrecken verbreiteten.“ Glaubt der Autor tatsächlich dass mit stolzem Waffen recken und Fahnen wedeln die Menschen in den Kriegsgebieten in Angst und Schrecken versetzt wurden? Oder soll hier mit dieser verharmlosenden Darstellung der sogenannte „Heilige Krieg“ schön geredet und die Täter von Schuld freigesprochen werden? Viel wahrscheinlicher ist, dass die angeblich „traumatisierten, desillusionierten und verstörten“ Ex-Dschihadisten als Söldner an realen Kriegshandlungen teilgenommen und dabei getötet, geraubt, geplündert, gefoltert und vergewaltigt haben. Im besten Falle werden diese Rückkehrer mindestens Beihilfe geleistet haben. Und diese Leute werden nun quasi zu opfern stilisiert, die nun nach ihrer Rückkehr mit der Begründung „[e]s sind ja keine erfahrenen Kämpfer“ betreut und betüdelt werden müssen. Nehmen wir einmal an die Täter von Erfurt und Winnenden hätten überlebt. Hätten der Tagesspiegel und andere Qualitätsmedien ebenso Verständnis gezeigt unddiese  ebenfalls als Opfer beschrieben? Wären dann auch die professionellen Betreuer zur Stelle gewesen um sich um die armen „Opfer“ zu kümmern, denn diese waren zweifelsfrei ebenfalls keine erfahrenen Kämpfer? Ich denke eher nicht. Die Medien wären ihrem gewohnten Verhaltensmuster erlegen und hätten, wie jüngst geschehen [2], Kübelweise Gift und Galle über die Täter ausgeschüttet und jedes auch noch so intimes Detail aus dem Privatleben der Täter in aller Öffentlichkeit breitgetreten, das auch nur ansatzweise dazu geeignet gewesen wäre den Täter zu diffamieren. Und bei der Gelegenheit werden dann gleich noch die unbescholtenen Waffenbesitzer quasi in Sippenhaft genommen und öffentlich als potentielle Massenmörder, die bestimmt auch irgendwann mit ihren Sportmordwaffen um sich schießend Menschen töten werden.

Medien als Lynchmob

Worin besteht der Unterschied zwischen den zurückkehrenden vorgeblich traumatisierten und desillusionierten Söldnern und den Tätern von sogenannten Amokläufen? In beiden Fällen handelt es sich m.E. um Verbrechen. Gemäß einer Resolution des UN-Sicherheitsrates [3] sind alle Staaten verpflichtet, Bürger strafrechtlich zu verfolgen, wenn sie zu terroristischen Zwecken ins Ausland reisen. Der UNO-Sicherheitsrat hat unter dem Eindruck der schrecklichen Bilder aus Syrien und Irak unlängst Maßnahmen gegen den Terror-Tourismus beschlossen. Damit sind alle Staaten verpflichtet, Bürger strafrechtlich zu verfolgen, wenn sie zu terroristischen Zwecken ins Ausland reisen. Auch nach deutschen Gesetzen (StGB §129 ff.) müssten die „desillusionierten“ Rückkehrer belangt werden. Davon kann ich aber kaum etwas im Artikel des Tagesspiegels finden. Nur in einem einzigen Satz wird darauf hingewiesen, dass einzelne Rückkehrer in U-Haft sitzen. Wie kann es sein, dass in Fällen wie Erfurt und Winnenden die Qualitätsmedien einem Lynchmob mediale Selbstjsutiz üben und als Ankläger, Richter und Henker gleich noch andere unbescholtene Waffenbesitzer medial in Haftung nehmen?

Was ist das für eine Verharmlosung der „Rückkehrer“ und Verachtung für die wirklichen Opfer? Im Gegensatz zu Sportschützen haben die Rückkehrer keine Löcher in Pappscheiben gestanzt. Diese Rückkehrer sind ganz bewusst in die Bürgerkriegsregionen gereist, um Ungläubige zu ermorden und Köpfe abzuschlagen. Weshalb werden diese Taten verschwiegen und stattdessen das verharmlosende Bild der mit stolz gereckten Waffen und mit Fahnen wedelnden  Kämpfer gezeichnet, dass dem realen Terror der Dschihadisten einen Anstrich von Folklore verleiht.

Fazit

Diesen Artikel im Tagesspiegel kann ich nur als übelste Propaganda betrachten. Propaganda zeichnet sich dadurch aus, dass bestimmte Fakten bewusst in einem verfälschenden Licht dargestellt werden. In diesem Fall die verharmlosende Darstellung der Dschihadisten als eine Art Pfadfindertruppe, die fröhlich mit Fahnen wedelt. Propaganda ist auch, wenn essentielle Informationen unterschlagen und verschwiegen werden. In diesem Fall die Strafbarkeit der Teilnahme an den Kämpfen und die Verbrechen und des Grauens in Syrien und Irak.

Quellennachweis:

[1] Frank Bachner (Der Tagesspiegel): „Ex-IS-Kämpfer sollen in Normalität zurück Berlin betreut Dschihad-Rückkehrer“ in: http://www.tagesspiegel.de/berlin/ex-is-kaempfer-sollen-in-normalitaet-zurueck-berlin-betreut-dschihad-rueckkehrer/11572768.html; Stand: 30.03.2015

[2] Schussendlich: „Amoklauf per Flugzeug – Amoklauf der Medien“ in: http://volkert.caliber-corner.de/2015/03/30/amoklauf-per-flugzeug-amoklauf-der-medien; Stand: 30.03.2015

[3] Sicherheitsrat der Vereinte Nationen: „Resolution 2178 (2014) verabschiedet auf der 7272. Sitzung des Sicherheitsrats am 24. September 2014“ http://www.un.org/depts/german/sr/sr_14/sr2178.pdf;

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