Amoklauf per Flugzeug – Amoklauf der Medien

Am 24. März 2015 zerschellte ein Linienflug der Fluggesellschaft German Wings in den französischen Alpen. Alle 150 Insassen kamen bei dem Aufprall ums Leben [1]. Nun scheinen sich Hinweise zu verdichten, dass der Co-Pilot Selbstmord begangen haben könnte. Damit erfüllt diese Tragödie alle Voraussetzungen für einen sogenannten erweiterten Suizid. Ein erweiterter Suizid liegt vor, wenn ein Mensch bei seinem Suizid bewusst auch andere mit in den Tod reißt [2]. Wäre das Tatwerkzeug eine Schusswaffe gewesen, wäre es für Jedermann sofort klar gewesen, dass es sich um einen Amoklauf handelte. Diesmal war das Tatwerkzeug ein Flugzeug, trotzdem sind nun 150 Menschen tot. Auffallend spät wurde der Begriff Amok in den Nachrichten über diese Tragödie verwendet. Ein tragischer Einzelfall? Nicht wirklich, denn schon häufiger wurden Flugzeuge verwendet, um Mord und Selbstmord zu begehen [3,4]. Tatsächlich sind solcherart Selbstmorde offenbar derart häufig, dass es im anglophonen Sprachraum sogar den Terminus „Aircraft-Assisted Pilot Suicides“ und Studien zur Ursachenforschung gibt [5]. Seit vergangenen Freitag scheint es sich in den Medien offenbar herumgesprochen zu haben, dass Vorfälle wie der Tragödie in den Alpen als Amoklauf oder Erweiterter Suizid bezeichnet werden kann. Und ähnlich wie bei Amokläufen mit Schusswaffen als Tatwerkzeug überbieten sich die Medien und sogenannte Experten darin hemmungslos über mögliche Ursachen zu spekulieren und intimste Details aus dem Leben des mutmaßlichen Täters in der Öffentlichkeit auszubreiten [6,7,8]. Und natürlich fehlt es auch nicht an wohlfeilen Ratschlägen vieler Experten, wie solche Tragödien zu verhindern sind. Der Stern schlägt psychologische Untersuchungen vor [9], ein Grüner und Verkehrsexperte möchte sich für technische Maßnahmen zur Öffnung der Cockpittür in Notfällen sowie ein europäisches Gesetz stark machen, damit im Cockpit stets zwei Personen anwesend sind [10] und das feministische Magazin EMMA verspricht einen Sicherheitsgewinn durch eine Frauenquote für das Cockpit, da Amoktrips Männersache sind [11]. Das Interessante an diesem Fall ist, dass ausgerechnet eine ursprünglich als Sicherheitsmaßnahme gedachte für alle Linienflüge gültige Vorschrift diese Katastrophe erst möglich gemacht hat. Denn seit 9/11 müssen zum Schutz vor Flugzeugentführungen die Cockpittüren von Linienflugzeugen verschlossen sein. Und nun ist es gerade diese Sicherheitsmaßnahme, welche die Tat des Selbstmordpiloten begünstigt hat, denn nur so war es möglich den Piloten aus dem Cockpit auszuschließen und das Flugzeug ungehindert mit voller Geschwindigkeit auf eine Bergwand zuzufliegen. Das ist ein Beleg dafür, dass eine 100%-ige Sicherheit nicht machbar ist und manche Maßnahmen, die vermeintlich die Sicherheit verbessern sollen den gegenteiligen Effekt haben können. Da werden auch die unausgegorenen Ideen und Gesetze des Grünen Verkehrsexperten [10] nichts daran ändern. Auch eine Frauenquote im Cockpit [11] dürfte bestenfalls ideologiegetriebener Aktionismus sein, wenn man berücksichtigt, dass auch Frauen zu Amokläufen fähig sind [12-16]. Insgesamt erinnern die Wortmeldungen der Medien und der sogenannten Experten an die entsprechende Berichterstattung im Nachgang zu vergleichbaren Vorfällen mit Schusswaffen. Eine einzelne Stimme der Vernunft abseits des medialen Amoklaufs soll hier nicht unerwähnt bleiben. Der SPD-Verkehrspolitiker Sören Bartol „hat vor voreiligen Gesetzesverschärfungen nach dem Absturz der Germanwings-Maschine gewarnt. Man müsse ernsthaft und in Ruhe nachdenken, ob es Möglichkeiten für Verbesserungen gebe. [...] Zunächst müssten [...] alle Fakten auf dem Tisch liegen“. Es wäre schön wenn solche Stimmen der Vernunft auch nach einem Amoklauf mit Schusswaffen Gehör finden würden. Hinweis: Am Tag dieser Flugkatastrophe hatte ich mich mit Katja Triebel getroffen. Zu diesem Zeitpunkt waren noch keine Einzelheiten bekannt, es wurde nur von einer Schülergruppe aus Haltern berichtet, die ums Leben gekommen war. Schon zu diesem Zeitpunkt ahnten Katja und ich, dass die Medien und die unvermeidlichen Experten diese Tragödie ausnutzen werden, um  rasch den Sündenbock zu suchen und  Vorschläge für ideologisch getriebene Gesetzesänderungen zu machen. Katja hat hierzu in  Ihrem Blog einen sehr lesenswerten Beitrag gebracht. https://legalwaffenbesitzer.wordpress.com/2015/03/28/sundenbocke-und-pravention/#more-2222   Quellennachweis: [1] DPA-Meldung im Handelsblatt: „Absturz von Germanwings-Flug 4U 9525 - Es bleibt nichts außer Trümmern und Körpern“ http://www.handelsblatt.com/panorama/aus-aller-welt/absturz-von-germanwings-flug-4u-9525-es-bleibt-nichts-ausser-truemmern-und-koerpern/11551016.html; Stand: 24.03.2015 [2] Daniele Zeibig in Spektrum.de: Aktuelles Stichwort Erweiterter Suizid http://www.spektrum.de/news/erweiterter-suizid/1339678; Stand: 27.03.2015 [3] Terrence McCoy in Washington Post: „The surprising frequency of pilot suicides“ in http://www.washingtonpost.com/news/morning-mix/wp/2014/03/11/just-how-common-are-pilot-suicides/; Stand 11.03.2014 [4] Aviation SafetyNetwork: „List of aircraft accidents caused by pilot suicide“ in http://news.aviation-safety.net/2013/12/22/list-of-aircraft-accidents-caused-by-pilot-suicide/; Stand: 27.03.2015 [5] Russell J. Lewis et.al.: „Aircraft-Assisted Pilot Suicides in the United States, 2003-2012“ in: http://ntl.bts.gov/lib/51000/51100/51188/201402.pdf; Stand: Februar 2014 [6] Blick.ch: „Der mörderische Irrweg des Co-Piloten Andreas LubitzSo krank war der Todes-Pilot“ in http://www.blick.ch/news/ausland/der-moerderische-irrweg-des-co-piloten-andreas-lubitz-so-krank-war-der-todes-pilot-id3609168.html; Stand: 28.03.2015 [7] Jörg Diehl: „Co-Pilot des Unglücksflugs: Der Unscheinbare“ in: http://www.spiegel.de/panorama/germanwings-co-pilot-wer-war-andreas-lubitz-a-1025801.html; Stand: 26.03.2015 [8] NTV-Mediathek: „Ex-Freundin spricht über Todespilot Andreas Lubitz“ in: http://www.n-tv.de/mediathek/videos/panorama/Ex-Freundin-spricht-ueber-Todespilot-Andreas-Lubitz-article14797471.html; Stand: 28.03.2015 [9] Stern On-Line: „Germanwings-Absturz Hätten psychologische Tests die Katastrophe verhindert?“ in: http://www.stern.de/panorama/germanwings-katastrophe-lassen-sich-mit-mehr-psychologischen-tests-flugzeug-abstuerze-vermeiden-2183216.html 27.03.2015 [10] Friedbert Meurer (Deutschlandfunk): „Nach Germanwings-Absturz: Wir wollen die höchstmögliche Sicherheit" in http://www.deutschlandfunk.de/nach-germanwings-absturz-wir-wollen-die-hoechstmoegliche.694.de.html?dram:article_id=315431; Stand: 27.03.2015 [11] Luise Pusch: „Frauenquote fürs Cockpit!“ in: http://www.emma.de/artikel/frauenquote-fuers-cockpit-318639; Stand: 28.03.2015 [12] Brenda Ann Spencer – Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Brenda_Ann_Spencer [13] Laurie Dann – Wikipedia: http://en.wikipedia.org/wiki/Laurie_Dann [14] Goleta postal facility shootings – Wikipedia: http://en.wikipedia.org/wiki/Goleta_postal_facility_shootings [15] Amoklauf von Lörrach – Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Amoklauf_von_L%C3%B6rrach [16] Blutbad Endstation Amok in Focus Online: http://www.focus.de/politik/deutschland/blutbad-endstation-amok_aid_162854.html; Stand: 30.12.1996, [17] Catrin Stövesand (Deutschlandfunk): „Reaktionen auf Absturz - Nicht die falschen Konsequenzen ziehen" in: http://www.deutschlandfunk.de/reaktionen-auf-absturz-nicht-die-falschen-konsequenzen.694.de.html?dram:article_id=315424; Stand: 26.03.2015  
%d Bloggern gefällt das: