Böse Waffen, gute Waffen

Die Bundespartei der Grünen geht wieder ihrem Steckenpferd nach und deshalb fordert die Bundestagsfraktion einmal mehr eine Verschärfung des Waffengesetzes. Nach Meinung der Grünen sollen Waffenbesitzer künftig keine Munition mehr zuhause lagern dürfen [1]. Anlass für diese neue Forderung soll eine bisher unveröffentlichte Statistik über Amokläufe in Deutschland sein. „Die neuen Zahlen zeigen: „Das Problem ist die Verfügbarkeit von schussfähigen Waffen im privaten Umfeld“, sagte die Innenexpertin der Grünen-Bundestagsfraktion. Das sieht die Bundesregierung allerdings etwas anders. Die Bundesregierung erklärte nämlich, „sie sehe keinen Anlass für eine Novellierung des Waffengesetzes“. Demgegenüber weiß "Der Westen" zu berichten, dass seit 2002 bei den Taten unter anderem in Erfurt , Winnenden und zuletzt in Dossenheim 51 Menschen ums Leben gekommen sind [1]. Leider bleibt "Der Westen", der eigens die Fälle recherchiert hat die Information schuldig welche Taten als Amokläufe gewertet wurden. Denn meines Wissens wurden seit 2002 insgesamt 8 Wahnsinnstaten mit 56 Opfern begangen, die dem Kriterium eines Amoklaufs als erweitertem Suizid genügen.

Amoklauf

Jahr

Opfer*

Dossenheim

2013

3

Karlsruhe

2012

5

Lörrach

2010

3

Winnenden

2009

15

Ansbach**

2009

8

Bonn***

2009

0

Emsdetten

2006

1

Coburg

2003

1

Eching

2002

4

Erfurt

2002

16

* Opferzahlen inklusive Täter

** Tatwerkzeuge: Brandflaschen und Axt

*** Tatwerkzeuge: Brandflaschen und Messer, Tatausführung wurde vereitelt

Aber zurück zu den Grünen im Bundestag. Gegenüber der Zeitung "Der Westen" ließ die Innenexpertin verlauten: „Die Munition muß mit klar geregelten Zugangsbestimmungen an einem anderen Ort gelagert werden“. Wie solche Zugangsbestimmungen klar zu regeln sind lässt die Dame freilich offen. Auch scheint sie nichts davon zu ahnen, wieviel Munition ein Sportschütze jährlich verschießt und wie sorgfältig die Munition je nach Waffe und Sportart ausgewählt wird um optimale Resultate zu erzielen. Richtig gute Großkaliberschützen fertigen sogar die eigene Munition an. Wie da eine klare und vor allem sinnvolle Regelung aussehen soll wird wohl das Geheimnis der ehemaligen Polizistin und abgehalfterten Schauspielerin der Reality-Doku „Achtung Kontrolle“ bleiben. Auch scheinen der ehemaligen Polizistin die aktuellen Polizeilichen Kriminalstatistiken und insbesondere die Bundeslagebilder Waffenkriminalität unbekannt zu sein, wenn sie gegenüber "Der Westen" verlautet: „[d]as Problem ist die Verfügbarkeit von schussfähigen Waffen im privaten Umfeld“ Da kommt das BKA im aktuellen Bundeslagebild in der Lagebewertung zu dem Schluss, „[d]as für die Bevölkerung aus der Waffenkriminalität resultierende Gefährdungspotenzial ist [...] insgesamt als gering zu bewerten [3]. Wenn schon das Gefährdungspotenzial aus der gesamten Waffenkriminalität, die auch die Delikte mit illegalen Waffen berücksichtigt als gering zu bewerten ist, wie gering wird dann wohl das Gefährdungspotenzial der polizeilich überprüften und überwachten Legalwaffenbesitzer sein?

Aber die Grünen haben häufig Probleme zwischen Fakten und Fiktion zu unterscheiden. So wusste z.B. Marieluise Beck die Sprecherin für Osteuropapolitik noch 15.05.2014 im Deutschlandfunk über einen russischen Auslandsgeheimdienstler zu berichten, der im Ukrainekonflikt das Kommando über ukrainische Milizen übernommen hatte. Dazu wusste Frau Beck sogar ein filmisches Dokument als Beleg dieses ungeheuerlichen Vorganges zu benennen [4].

Beck: Es gibt einen Film und ich habe gestern diesen Film, den Filmemacher auch getroffen, einen jungen Arzt aus Odessa, der in Gorlowka, auch ein Ort in der Ostukraine, gefilmt hat die Übernahme der dortigen Miliz durch einen GRU, einen russischen Auslandsgeheimdienstmann namens Igor Bezler, und das Spannende ist, dass dieser Igor Bezler schon im Jahre 2012 sich in der Gemeinde Gorlowka niedergelassen hat. Das ist ein Zeichen dafür, dass solche Operationen in Russland schon länger geplant worden sind, als durch das Datum, was wir immer markieren, nämlich Janukowitschs Unterzeichnung unter diesen Vertrag oder Nichtunterzeichnung und dann den Sturz letztlich durch den Euro-Maidan.“

Die Osteuropaexpertin der Grünen war also voll im Bild und wusste genau über die langfristige Startegie des russischen Auslandsgeheimdienstes Bescheid, schon im Jahr 2012 Agenten in der Ukraine stationiert zu haben. Leider hat die Osteuropaexpertin dabei ein kleines Detail übersehen: Der russische Geheimdienstmann war kein Russe und auch kein Geheimdienstmann. War der zitierte Film ein Fake der ukrainischen Propaganda und ist als solcher bereits am 15.04.2014 also genau ein Monat vor dem Interview der Osteuropaexpertin der Grünen Bundestagsfraktion entlarvt worden [5]. Aber wass sollen schon Fakten, wenn diese nicht so gut in das Grüne Weltbild passen?

Manche Grüne sehen die Dinge ,was das Thema Waffen angeht, aber nicht ganz so eng wie die Sprecherin für innere Sicherheit in der Bundestagsfraktion der Grünen. So forderte z.B. der grüne Politiker und Syrien-Aktivist Ahma tatsächlich Waffen für Aufständische in Syrien [6]. Es darf wohl mit an absoluter Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass diese Waffen nicht für den Syrische Schützenvereine und den Jägerbund gedacht sind. Vielmehr muss vermutet werden, dass mit den geforderten Waffen im Syrischen Bürgerkrieg Menschen getötet werden sollen. Und mit dieser Forderung weiß sich der grüne Syrien-Aktivist in guter grüner Tradition, haben die Grünen doch bereits für El-Salvador zusammen mit der TAZ und unterstützt durch Hans-Christian Ströbele Jahrelang viele Millionen Mark gesammelt, um den Rebellen in El-Salvador den Kauf von Waffen zu ermöglichen [7]. Auch der „Kinderfreund“ und Euro-Grüne Daniel Cohn-Bendit hat offenbar keine Bedenken gegen Waffen Zumindest hat er nichts gegen Kriegswaffen [8].

Auch der grüne Tom Königs hat nichts gegen Kriegswaffen und deren Einsatz [9]. Immerhin galt es 2012 ja die armen Lybier gegen Gaddafi zu verteidigen, der mit scharfer Munition auf friedliche Demonstranten schießen ließ. Dagegen kann man natürlich nur mit dem beherzten Einsatz von Kampfbombern helfen. Zivile Opfer solcher Kampfbomber wären natürlich nur Kollateralschäden. Also halb so schlimm. Auch die ehemalige Staatsministerin im Auswärtigen und Grünenpolitikerin Kerstin Müller hat nichts gegen Kriegseinsätze und Einmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten solange diese humanitären Zwecken dienen, denn für sie sind NATO-Waffen, anders als gefährliche Sport- und Jagdwaffen, humane Werkzeuge für den Transformationsprozess zu einer demokratischen Zivilgesellschaft. Schließlich stehen auch die Grünen zur „Schutzverantwortung“ ("Responsibility to protect"), der NATO-Doktrin mit der jederzeit Angriffskriege legitimiert werden können [10].

Die Verlogenheit und Bigotterie der Grünen ist nicht mehr zu ertragen. Hat Denen eigentlich schon jemand erzählt, wie viele Menschen durch Kriegswaffen in inner- und interstaatliche Konflikte sterben? Im Vergleich dazu stellt sich die Waffenkriminalität in Deutschland geradezu als paradiesischer Zustand dar. Aber ja, es ist schon klar, für ideologisch verblendete Gründeppen geht von den privat besessenen Waffen selbstverständlich eine ungleich größere Gefahr aus und Winnenden, Erfurt und Dossenheim sind die wahren Katastrophen.

Quellennachweis:

[1]Christian Kerl (Der Westen): „Grüne wollen Munition aus Privathaushalten verbannen“https://www.derwesten.de/politik/gruene-wollen-munition-aus-privathaushalten-verbannen-id9653841.html; Stand: 31.07.2014

[2] wikipedia: „Irene Mihalic“ in: http://de.wikipedia.org/wiki/Irene_Mihalic; Stand: 03. Juli 2014

[3] Schussendlich: „Bundeslagebild 2013 freigegeben“ in: http://volkert.caliber-corner.de/2014/06/26/bundeslagebild-2013-freigegeben/; Stand: 26.06.2014

[4] Marie Luise Beck: „Runden Tisch nicht auf Kiew beschränken“ in: http://www.deutschlandfunk.de/ukraine-konflikt-runden-tisch-nicht-auf-kiew-beschraenken.694.de.html?dram:article_id=285383; Stand 15.05.2015

[5] ZDF Heute Journal. Nachrichtensendung: http://zdf.vo.llnwd.net/e1/s/none/zdf/14/04/140415_hjo_436k_p9v11.mp4?rs=1024&ri=10000&ip=82.212.55.113&h=388304ffda7f86caa6dc2a80ae52bda0; Stand: 15.04.2014

[6] AFP-Meldung: „Grüner Syrien-Aktivist Ahma fordert Waffen für Aufständische“ in: http://www.welt.de/newsticker/news2/article108832805/Gruener-Syrien-Aktivist-Ahma-fordert-Waffen-fuer-Aufstaendische.html Stand: 28.08.2012

[7] volkert: „Freide den Waffen“ in: http://volkert.caliber-corner.de/2013/04/14/friede-den-waffen-nachtrag-zu-eine-einfache-gleichung-teil-iii/; Stand: 14. April 2013

[8] Hartmut Beyerl: „Cohn Bandit verkauft im ZDF den Krieg gegen Libyen“ in: https://www.youtube.com/watch?v=hkoJQDI5ENU; Stand: 09.08.2011

[9] Hartmut Beyerl: „ZDF rechtfertigt Bomben auf Libyen“ https://www.youtube.com/watch?v=Y2IOllcMhu4#t=375; Stand: 07.04.2011

[10] Kerstin Müller: „Unsere Verantwortung in Syrien“ in: http://www.fr-online.de/meinung/gastbeitrag-unsere-verantwortung-in-syrien,1472602,11769756.html; Stand: 06.März 2012

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