Tödliche Faszination – Eine Reise in die Welt der Schusswaffen

Vergangenen Freitag wurde in der Sendung Galileo Spezial ein für die Mainstream Medien heikles Thema aufgegriffen: Die Faszination von Schusswaffen [1]. Dabei versuchte ein Reporter im Selbstversuch zu ergründen weshalb Schusswaffen vermeintlich so faszinierend sind. Deshalb reiste dieser Reporter in die USA um dort das Schießen zu lernen. Interessant hierbei war, dass der Reporter, der sich selbst als Pazifisten bezeichnete der Waffen eigentlich verabscheut, wie man an der Mimik des Reporters deutlich erkennen durchaus Spaß am Schießen hatte. Interessant waren auch die Einlassungen von Professor Heubrock vom Institut für Psychologie und Kognitionsforschung der Universität Bremen, da dieser bestätigte, dass die Faszination für Waffen normal und keineswegs krankhaft ist. Professor Heubrock unterstrich sogar in einer Untersuchung mit Jugendlichen, dass das sportliche Schießen durchaus geeignet ist die Konzentrationsfähigkeit und Aufmerksamkeit zu steigern. Hierbei wurde insbesondere ein Junge, bei dem ADHS diagnostiziert wurde, herausgestellt, der durch das sportliche Schießen seine Konzentrationsfähigkeit steigern und Verantwortung im Umgang mit einem gefährlichen Gegenstand lernen konnte. Das sollte doch allemal eine bessere und vor allem verantwortungsvollere Methode sein als diesen jungen Menschen mit Psychopharmaka künstlich ruhig zu stellen.  
GallileoSpezial Tödliche Faszination – Eine Reise in die Welt der Schusswaffen

GallileoSpezial Tödliche Faszination – Eine Reise in die Welt der Schusswaffen

Zu Beginn der Sendung wurden irgendwo in Köln junge Menschen im Umgang mit sogenannten Softairwaffen gezeigt, wobei die Botschaft für das Publikum wie auch durch die Bekundungen dieser Menschen klar herübergebracht wurde: Waffen sind Symbole der Machtausübung. Das mag durchaus stimmen, wenn man Schusswaffen zur Ausübung von Gewalt einsetzt. Erhellend war hierbei auch ein kleines Experiment, welches Professor Heubrock mit verschiedenen Probanden vorstellte. Diese Probanden bekamen fotografische Abbildungen verschiedener Schusswaffen – von einer kleinen Pistole bis hin zu einer Maschinenpistole mit Schulterstütze - vorgelegt. Diese Fotografien sollten die Probanden sechs Herren unterschiedlicher Statur – von klein und schmächtig bis groß und muskulös – zuordnen. Interessant hierbei war das Resultat, dass die Probanden die größte und besonders bedrohlich wirkende Maschinenpistole dem großen und muskelbepackten Mann zuordneten, während dem kleinen und schmächtigen Mann die kleineren und weniger bedrohlich wirkenden Waffen zugeordnet wurden. Dieser Effekt wird in der Kriminalität als Waffenfokussierung bezeichnet. An diesem Beispiel wird deutlich, dass die meisten Menschen Waffen generell als bedrohlich empfinden und damit auch entsprechende Eigenschaften verbinden. Hier könnte m.E. auch ein Ansatz für die – längst verworfene - sogenannte Waffeneffekthypothese vorliegen, wonach allein der Besitz von Schusswaffen zu deren Einsatz als Mittel der Gewaltausübung verführen könne. Indirekt wurde die Waffeneffekthypothese auch durch Zitate über die vermeintlich höhere Selbstmordrate in den USA auf Grund der allgemeinen Verfügbarkeit von Schußwaffen und einer Studie aus Philadelphia bestätigt, dass Waffenbesitzer bzw. Waffenträger häufiger Opfer von Schusswaffen werden als unbewaffnete Menschen. Hier hat Galileo Spezial leider nicht ausreichend recherchiert, denn es stimmt zwar, dass in den USA die Selbstmordrate mit Schusswaffen im Vergleich zu anderen Ländern deutlich höher ist, jedoch ist das nicht die ganze Wahrheit. Im Vergleich zu anderen Ländern wie z.B. Deutschland oder Japan hat die USA sogar eine geringere Selbstmordrate [2]. Im Umkehrschluss sollte eigentlich Japan mit der geringsten Waffendichte auch die geringste Selbstmordrate aufweisen, da der Zugriff auf Schusswaffen nahezu ausgeschlossen ist.
Selbstmorde USA Deutschland Japan

Selbstmorde USA Deutschland Japan

Jedoch hat gerade Japan eine erschreckend hohe Selbstmordrate. Im Video von Galileo wird auch eine entsprechende Studie erwähnt demnach läge die Selbstmordhäufigkeit (mit Schußwaffen) um mehr als das vierfache höher als in anderen vergleichbaren Ländern. Ich kann nur vermuten, dass hier die Studie aus [3] gemeint war. Demnach ist ein mit Schusswaffen verübter Selbstmord etwa viermal „erfolgreicher“ bzw. tödlicher als Selbstmorde mit anderen Mitteln. Was in dieser Studie nicht betont wird ist die Tatsache, dass „erfolglose“ Selbstmörder häufig mehrere Versuche unternehmen sich das Leben zu nehmen. Im Kontext mit dem Schusswaffenbesitz zur Selbstverteidigung wurde eine weitere Studie aus Philadelphia erwähnt, wonach der Besitz von Schusswaffen das Risiko deutlich erhöht bei einem Angriff durch Schusswaffen getötet zu werden. Bei dieser Studie handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um [4]. In dieser Studie wurde, untersucht, ob das Mitsichführen von Schusswaffen Menschen bei Angriffen geschützt hat. Gemäß dieser Studie, wurden Menschen, die eine Schusswaffe mit sich führen bei einem Angriff 4,46 Mal häufiger von einer Schusswaffe verletzt oder getötet, als Menschen, die ohne Waffen angegriffen wurden. Allerdings wurde diese Studie auf Grund methodischer und systematischer Fehler bemängelt [5]. So wurde die Auswahl der Stichproben für die statistische Erhebung bemängelt, hierdurch wurde die Tatsache vernachlässigt, dass Gewalt nicht in einer zufälligen geografischen Verteilung verübt wird sondern sich in bestimmten Gegenden konzentriert. Auch wurden fast ausschließlich Fälle herangezogen, deren Opfer bereits eine kriminelle Vorgeschichte hatten und Personen nicht berücksichtigt wurden. Es wurden nicht die Fälle berücksichtigt, in denen die Opfer angegriffen aber nicht niedergeschossen wurden. Den Fallstudien wurde keine adäquate Kontrollgruppe gegenübergestellt und es wurden kritische Details in der Studie unterdrückt. Bis auf diese nicht weiter hinterfragten Studien bzw. der unreflektierte Vorstellung der entsprechenden Resultate war diese Sendung gemessen an dem Standard den man sonst über Beiträgen zum Thema Schusswaffen in den Mainstream Medien gewohnt ist überraschend ausgewogen und nicht übermäßig polarisierend dargestellt. Offenbar können die Mainstream Medien doch noch journalistisch einigermaßen sauber recherchieren und berichten. Besonders gelungen empfand ich den Beitrag über den Schnupperkurs Schießen, den Oliver Huber von der German Rifle Association geleitet und durchgeführt hat besonders gelungen. Denn hier wurden fünf junge Menschen zum ersten mal in ihrem Leben mit Schusswaffen und dem Umgang damit vertraut gemacht. Positiv hierbei war auch das Echo der jungen Dame die sichtlich Gefallen am Schießen gefunden hatte.   Hinweis: Ein ausführlicher Bericht von Katja Triebel über diese Gallileo Sendung ist auch auf der Website der GRA zu finden

Link: http://german-rifle-association.de/YaFar

Leider ist das Video auf der Website von Pro7 nicht mehr verfügbar. Allerdings kann es noch bei Youtube gefunden werden [6].

  Quellennachweis: [1] Pro7 – Galileo Spezial: „Tödliche Faszination - Eine Reise in die Welt der Schusswaffen“ in: http://www.prosieben.de/tv/galileo/videos/6185-galileo-spezial-toedliche-faszination-eine-reise-in-die-welt-der-schusswaffen-ganze-folge; Stand: 12.07.2014 [2] GunPolicy.org in: http://www.gunpolicy.org/; Stand: 12.07.2014 [3] Vyrostek S.B., Annest J.L., Ryan G.W.: „Lethality of Suicide Method“ in: Surveillance for fatal and nonfatal injuries – United States, 2001. MMWR. 2004:53(SS07);1-57 [4] Branas C.C.1., Richmond T.S., Culhane D.P., Ten Have T.R., Wiebe D.J..: „Investigating the Link Between Gun Possession and Gun Assault“ in: American Journal on Public Health, Nov. 2009 99(11) p. 2034-40; [5] Garen Wintemute, MD: „Flaws in Study of Firearm Posession and Risk for Assault“ in: American Journal on Public Health, June 2010 100(6) p. 967–968 Youtube-Link der Pro7-Sendung:  „Tödliche Faszination - Eine Reise in die Welt der Schusswaffen“ in https://www.youtube.com/watch?v=zPUbts2LnWs; Stand: 29.07.2014    
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