Ein Angriff auf die Jagd

Eine Reihe Tierschützer haben sich zusammengeschlossen, um von der NRW Landesregierung eine Reform des Jagdrechts zu fordern. Darüber berichtete unlängst die Münstersche Zeitung unter dem Titel „Ein Angriff auf die Jagd“ [1]. Auch Katja Triebel hat bereits darüber einen Blogbeitrag geschrieben [2]. Für die Jagdreform fordert das Bündnis u.a.:

  1. Reduzierung der jagdbaren Arten von aktuell rund 100 auf 6

  2. Verbot von Lebend- und Totschlagsfallen im Rahmen der Jagd

  3. Verbot der Fütterungen aller Art im Rahmen der Jagd

  4. Verbot des Haustierabschusses und der Baujagd.

  5. Verbot der Beizjagd

  6. Beendigung des Jagdzwangs

  7. Keine Jagd mehr auf Schnepfe, Schwan, Dachs und Co

  8. Begrenzung der Jagdzeiten für alle jagdbaren Arten auf die Monate September bis Dezember

  9. Kein Aussetzen jagdbarer Tierarten

Mit diesen maßlos überzogenen Forderungen würde nahezu jegliche Jagd unmöglich gemacht werden. Im Ergebnis würden sicher tausende passionierte Jäger ihr für den Erhalt der Artenvielfalt in unsere Kulturlandschaft notweniges Hobby aufgeben. Mit der Aufgabe der Jagd würde auch das Bedürfnis zum Waffenbesitz entfallen und somit gleichzeitig einer Enteignung der Jäger Vorschub leisten.

Im Bericht der Münsterschen Zeitung kommen Vertreter des Deutschen Jagdverbands zu Wort. Selbstkritisch erkennen diese, dass sie „den Kampf um die öffentliche Meinung zur Jagd[...] zu lange verschlafen [hätten]. […] Derweil hätten Tierschutzgruppierungen die Debatte über soziale Netzwerke emotional angeheizt“. Die Jagdverbände möchten die Debatte nun wissens- und faktenbasiert führen. „Eigentlich würden die Jäger […] sich lieber mit Argumenten als mit Emotionen auseinandersetzen“. Und genau damit werden die Jagdverbände den nächsten Fehler begehen. Die Debatte wurde bereits durch die Tierschützer mit Emotionen eröffnet. Damit wurden und werden viele Bürger mit dem „Bambi-Syndrom“ konditioniert. Auf der einen Seite die mordlüsternen und blutgierigen Jäger die aus niederen Motiven ihr perverses Hobby betreiben. Auf der anderen Seite die armen, unschuldigen und vor allem niedlichen Tiere deren einziger Anwalt die edlen Tierschützer sind. Emotionen sprechen jeden Menschen in seinem Innersten an. Mit geschickt platzierten, emotionsgeladenen Botschaften erreicht man die Menschenmassen. Emotionen erzeugen starke Gefühle und so fühlt sich jeder Mensch angesprochen. Mit starken Emotionen lassen sich die meisten Menschen auch gezielt beeinflussen und zu bestimmten beabsichtigten Handlungen hinreissen. Professionelle Werbefirmen setzen Emotionen gezielt ein, um ihre Botschaften zu vermitteln. Auch in der Politik spielen Emotionen eine wichtige Rolle um bestimmte Ziele umzusetzen.

Ein weiterer Fehler ist die fehlende Vernetzung der Jäger untereinander aber auch mit anderen Interessensgruppen auf nationaler und internationaler Ebene. Nur wenn es gelingt große und auch diversifizierte Netzwerke aufzubauen wird es den Jagdverbänden gelingen in der breiten Öffentlichkeit Gehör zu finden.

Wie geschickt die Initiative JAGDREFORM JETZT die Vernetzung betreibt habe ich grob untersucht. Nachfolgend sind die Erkenntnisse der Recherche zusammengefasst wiedergegeben. Es sei darauf hingewiesen, dass die Darstellungen nicht vollständig sind und auch Fehler enthalten können. Auf die Angabe einzelner Quellen wird hier auf Grund der Vielzahl unterschiedlicher Quellen verzichtet.

JAGDREFORM JETZT das einfache Bild

JAGDREFORM JETZT das einfache Bild

Der Initiative gehören auf dem ersten flüchtigen Blick nur wenige bekannte Natur- und Tierschutzverbände an. Doch schon diese wenigen Verbände bringen eine beachtliche Anzahl Mitglieder (522.000) sowie eine beachtliche Finanzdecke (22 Mio €) für medienwirksame Aktionen zusammen.

Tierschützer und Finanzen von JAGDREFORM JETZT

Tierschützer und Finanzen von JAGDREFORM JETZT

In der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit für die Recherche konnten nicht in allen Fällen entsprechenden Daten ermittelt werden (n.a.). Es kann jedoch angenommen werden, dass dem NABU NRW als Ableger des NABU Deutschland mit einer jährlichen Finanzdecke von €29 Mio und 520.000 Mitgliedern genügend Resourcen für öffentlichkeitswirksame Aktionen zur Verfügung stehen. Auch von PETA Deutschland kann davon ausgegangen werden, wenn man berücksichtigt, dass der Dacherverband in den USA jährlich über $25 Mio verfügen kann. Dieser geballten Macht stehen in Deutschland im DJV etwa 287.000 Jäger mit einem jährlichen Haushaltsvolumen von rund €2,5 Mio gegenüber. Schon in dieser nüchternen zahlenmäßigen Zusammenfassung wird deutlich, dass die Jäger eigentlich schon auf verlorenem Posten stehen. Doch dieses Bild wird für die Jägerschaft noch schlimmer, wenn man die Kooperationspartner der Tierschützer mit berücksichtigt.

JAGDRFEFORM JETZT: The Big Picture

JAGDRFEFORM JETZT: The Big Picture

In dieser Darstellung sind neben den Initiatoren von JAGDREFORM JETZT auch die wichtigsten Kooperationspartner der einzelnen Verbände dargestellt. Es wird deutlich, wie gut die Vernetzung tatsächlich ist. Wenn man berücksichtigt, dass jeder Kooperationspartner hinsichtlich der Verbreitung der Ziele als Multiplikator dient wird klar, dass mit einer solche dichten und zugleich auch diversifizierten Vernetzung ein hoher Bekanntheitsgrad und auch eine ständige Medienpräsenz garantiert ist. Dagegen muten die Koopertionen des DJV mit CIC, DEVA, BVS, Forum Waffenrecht, BAGJE, JGHV, AFN, IJK doch etwas mager an.

Wenn der Deutsche Jagdverband das Vorhaben JAGDREFORM JETZT noch aufhalten oder wenigstens den größten Schaden verhüten will, wird es höchste Zeit an der Eigendarstellung zu feilen und die sozialen Netzwerke und Kooperationen massiv auszubauen. Dabei darf jedoch nicht vergessen werden, dass Emotionen eine der wichtigsten Eigenschaften jedes Menschen sind. Deshalb muss auch die Jägerschaft im Sinne einer Imagekampagne Emotionen gezielt einsetzen.

Nachtrag 09.Juli 2014:

Nachdem ich von einigen Jägern zum Teil kritische oder wenigstens skeptische Mail erhalten habe möchte ich nochmals explizit auf die  starke Vernetzung der Tierschützer im obigen Bild und der daraus resultierenden Folgen hinweisen.

  • Mit jedem Kooperationspartner erreichen die Tierschützer einen größeren Bekanntheitsgrad
  • Jeder Kooperationspartner funktioniert als Multiplikator für Informationen und Meinungen
  • Hinter jedem Kooperatiosnpartner stehen häufig weitere Kooperationspartner oder zumindest Angestellte, Mitglieder, Kunden etc.
  • Häufig symphatisieren die Angestellten, Mitglieder, Kunden mit den Werten und Zielen der Kooperationspartner und übernehmen deren Meinungen
  • Mit einem Netzwerk wie dem oben dargestellten erhalten die Botschaften der Tierschützer eine Reichweite weit über den eigentlichen Interessenskreis hinaus
  • Durch dieses Netzwerk  erreichen die Botschaften der Tierschützer einen hohen Bekanntheitsgrad
  • Mit dem hohen Bekanntheitsgrad geht häufig auch die Deutungshoheit für die angeprochene Thematik einher
  • Wer die Deutungshoheit besitzt braucht sachliche Argumente nicht mehr zu fürchten, da sich die  Mehrheit an der Deutungshoheit orientiert und entsprechend die eigene Meinung bildet
  • Werden dann noch Emotionen geschickt eingesetzt können auch die härtesten Fakten kaum mehr zu Änderung des Meinungsbildes beitragen

Quellennachweis:

[1] Henning Brinkmann: „Ein Angriff auf die Jagd“ in: Münsterschen Zeitung Stand: 05. Juli 2014

[2] Katja Triebel: „BUND und NABU für die Abschaffung der Jagd ?!?“ in: http://legalwaffenbesitzer.wordpress.com/2014/07/06/bund-und-nabu-fur-die-abschaffung-der-jagd/; Stand: 06. Juli 2014.

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