Bundeslagebild 2013 :: Nachtrag

Wie bereits berichtet wurde gestern das Bundeslagebild Waffenkriminalität 2013 vom BKA veröffentlicht [1]. In einer ersten Auswertung konnte festgestellt werden, dass im Berichtsjahr 2013 die Waffenkriminalität in nahezu allen Bereiche deutlich zurückgegangen ist. Nach einem eingehenderen Studium des aktuellen Bundeslagebildes [2] fällt im Kapitel 2.2 unter der Überschrift „Geographische Auffälligkeiten“ die folgende Bewertung des BKA auf: „In den Bundesländern Nordrhein-Westfalen [...], Niedersachsen [...] und Berlin [...] wurden Fälle, in denen mit einer Schusswaffe gedroht wurde, am häufigsten registriert. In Relation zur Einwohnerzahl sind die Stadtstaaten Bremen (HZ: 20,3), Hamburg (HZ: 18,0) und Berlin (HZ: 14,9) am stärksten betroffen“[Unterstreichung durch den Autor; HZ = Häufigkeitszahl]. Diese Aussage allein erscheint zunächst nicht besonders bemerkenswert, denn es kann sicher davon ausgegangen werden, dass in Großstädten die Kriminalität höher ist als auf dem flachen Land. Wenn man diese Aussage jedoch mit der Waffendichte [Anzahl behördlich genehmigter Schusswaffen bezogen auf die Einwohneranzahl] in einen gemeinsamen Kontext bringt, dann wird einmal mehr deutlich, dass die vielfach gemutmaßte und sowohl von der Politik als auch den Medien propagierte Korrelation zwischen der Verfügbarkeit von legalen Schusswaffen und der Deliktrelevanz einfach nicht gibt. Denn wenn man die Angaben zur Waffendichte aus [3] (siehe auch [4]) und die Delikthäufigkeiten aus [2] gegenüberstellt, sollten gerade die Stadtstaaten und darunter ganz besonders Berlin eine Insel der Glückseeligen und Hort des Friedens ohne nennenswerte Waffenkriminalität sein. Denn in keinem anderen Bundesland gibt es weniger (legale) Schusswaffen als in den drei Stadtstaaten.Die Fakten zeigen aber, dass dem nicht so ist.

Vergleich der Waffendichte mit den Deliktraten (Quellen [2], [3]

Vergleich der Waffendichte mit den Deliktraten (Quellen: [2], [3]

In den drei Stadtstaaten wird aber nicht nur mit Schusswaffen gedroht, sondern auch geschossen. Und unter der Rubrik „Erfolgte Schussabgaben“ sind die Stadtstaaten auch ganz vorne mit dabei. Im direkten Vergleich der Abbildungen aus [3] (Schusswaffen je 1000 Einwohner) und [2] (Verteilung der Häufigkeiten mit Schusswaffe geschossen) ist deutlich zu erkennen, dass eine Korrelation zwischen Schusswaffenbesitz und Delikthäufigkeit schlicht nicht nachweisbar ist. Wenn es diese Korrelation tatsächlich gäbe sollten sich der Logik der Antiwaffen-Lobbyisten folgend eigentlich in Bayern und Rheinlandpfalz die Schusswaffendelikte besonders häufen, wohingegen diese in Berlin, Hamburg und Bremen eine geringere Relevanz haben sollten. Jetzt könnte man natürlich damit argumentieren, dass in Großstädten die Kriminalitätsraten allgemein höher liegen. Jedoch sollte man dann auch für z.B. Köln und München entsprechende Deliktraten erwarten dürfen. Allerdings falle diese Metropolen bezüglich Waffenkriminalität nicht auf. Hingegen fallen die Stadtstaaten und hier ganz besonders das kleine Bremen aus dem Rahmen.

Damit belegen die Fakten einmal mehr, dass das vielbeschworene Postulat, dass weniger Schusswaffen automatisch weniger Verbrechen oder umgekehrt viele Schusswaffen mehr Verbrechen bedeuten in das Reich der Märchen, Mythen und Legenden gehört. Umso unbegreiflicher ist es deshalb, wenn immer weitere Einschränkungen des legalen Waffenbesitzes mit Hinweis auf die Waffenkriminalität gefordert werden, denn ganz offensichtlich ist nicht der legale, behördlich überprüfte und überwachte Waffenbesitzer das Problem. Wenn also mit diesem Hintergrundwissen weitere Verschärfungen des Waffenrechts und Einschränkungen des legalen Waffenbesitzes gefordert werden muss davon ausgegangen werden, dass damit entweder eine hidden Agenda vorangetrieben werden soll  oder Inkompetenz der politisch verantwortlichen am Werk ist. Für eine freiheitlich demokratische Grundordnung aber wären beide Gründe  allerdings völlig inakzeptabel.

Quellennachweis

[1] Schussendlich: „Bundeslagebild 2013 freigegeben“ in: http://volkert.caliber-corner.de/2014/06/26/bundeslagebild-2013-freigegeben/; Stand: 26.06.2014

[2] Bundeskriminalamt: „Waffenkriminalität Bundeslagebild 2013“ in: http://www.bka.de/nn_241568/SharedDocs/Downloads/DE/Publikationen/JahresberichteUndLagebilder/Waffenkriminalitaet/waffenkriminalitaetBundeslagebild2013,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/waffenkriminalitaetBundeslagebild2013.pdf; Stand 26.06.2014

[3] Wolf Wiedmann-Schmidt (Zeit Online): „Waffenland Deutschland Auch durch legale Pistolen und Gewehre gibt es viele Todesopfer. Eine Übersicht“ in http://www.zeit.de/2014/04/waffen-deutschland; Stand 16.01.2014

[4] Schussendlich: „Zeit-Online und die Waffen“ in: http://volkert.caliber-corner.de/2014/01/16/zeit-online-und-die-waffen/; Stand: 16 Jan 2014

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