USA – Amok, China – Streit

Vergangene Woche beging in Kalifornien ein junger Mann eine schreckliche Bluttat. Er ermordete sechs Menschen, lieferte sich mit der Polizei eine Schießerei und tötete sich schließlich selbst. Und wieder einmal laufen unsere Medien zur Hochform auf. Eine knappe Abfrage in Google (californien amoklauf) liefert 1,3 Millionen Ergebnisse zurück!

Google-Recherche

Google-Recherche Quelle: www.google.de

In nahezu allen Medien wird der Täter als Amok-Schütze bezeichnet, schnell sind die wahren Gründe für diese schreckliche Tat ausgemacht: Die laxen Waffengesetze und damit der einfache Zugang zu Schusswaffen in den USA . Auch der Vater eines der Opfer klagte die National Rifle Association und unverantwortliche Politiker an [1]. Die Botschaft ist so einfach wie klar: Hätte der Täter keine Schusswaffe besessen würden die Opfer noch leben. Diese Botschaft hat aber einen kleinen Fehler: Drei der sechs Opfer wurden mit einem Messer ermordet [1]. Trotzdem wird dem problemlosen Zugang zu Schusswaffen und den Waffengesetzen in den USA die Schuld zugeschrieben. Also ob der Täter nur durch die Verfügbarkeit der Schusswaffe zu seiner Tat verleitet worden wäre und als ob die drei mit einem Messer Getöteten noch leben würde hätte der Täter keine Schusswaffe besessen.

 Bemerkenswert ist auch die Tatsache in wie vielen Medien und wie ausführlich über diesen Amoklauf berichtet wird. Im Vergleich hierzu blieb eine andere Bluttat in China nahezu unbeachtet, obwohl bei dieser Tat fünf Menschen getötet und der Täter schließlich von der Polizei erschossen wurde [2]. Eine Google-Recherche (streit uiguren) ergibt zwar immer noch 57.000 Treffer aber nur einer dieser Treffer beinhaltet auch einen Bericht über diesen Amoklauf [2]. Bemerkenswert ist auch, dass in diesem Bericht nicht von einem Amoklauf berichtet wird. Es wird lapidar von einer Messerstecherei auf Grund eines Streits zwischen Markthändlern berichtet. Vermutlich wäre über dieses Verbrechen noch nicht einmal über die Grenzen Chinas hinaus berichtet worden, wäre da nicht ein ethnisch-religiöser Konflikt in der Region in welcher diese Bluttat stattfand. Ein Bezug zu diesem Konflikt und ein terroristischer  Hintergrund kann aber ausgeschlossen werden.

Was macht die Bluttat von Kalifornien soviel interessanter als das Verbrechen in China? Sind Tote in China für die Medien weniger wert als Tote in den USA? Oder sollte es daran liegen, dass im einen Fall als Tatwerkzeug eine Schusswaffe verwendet wurde im anderen Fall aber nur ein Messer? Sind deswegen die Toten in China weniger tot? Aber wahrscheinlich liegt es auch nur daran, dass das Verbrechen in China eben nicht zwei der gängigsten Hypothesen der Waffengegner unterstützt:

  • Weniger Schusswaffen bedeuten weniger Tote

  • Mit Messern kann man nicht so wirksam töten wie mit Schusswaffen

Und weil dieses simple Erklärungsmuster der Waffengegner nicht greift eignet sich das Verbrechen in China  auch nicht für einfache Erklärungen für das Unbegreifliche und für einseitige Schuldzuweisungen.  Damit ist dieses Verbrechen auch nicht mehr „sexy“ genug um billig Aufmerksamkeit zu erregen, tagelang darüber zu berichten und die Umsatzzahlen der Medien in die Höhe zu treiben.

Quellennachweis:

 

[1] FAZ-Online: „Amoklauf in Kalifornien Student tötet offenbar aus Hass gegen Frauen sechs Menschen“ in: http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/kriminalitaet/amoklauf-in-kalifornien-student-toetet-offenbar-aus-hass-gegen-frauen-sechs-menschen-12956848.html; Stand: 25.05.2014

 

[2] Focus-Online: „Streit unter UigurenSechs Menschen sterben bei Messerangriff auf Gemüsemarkt“ in: http://www.focus.de/panorama/welt/kriminalitaet-erneut-messerattacke-mit-mehreren-toten-in-china_id_3687317.html; Stand: 14.03.2014,

 

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