Zeit-Online und die Waffen

Heute wurde in der Zeit-online unter dem Titel „Waffenland Deutschland“ ein Artikel veröffentlicht, der einmal mehr die unterschwellige mediale Manipulation der Öffentlichkeit mit vermeintlichen Fakten offenbart [1]. „Nach Recherchen der ZEIT wurden allein im vergangenen Jahr mindestens 27 Menschen in Deutschland mit registrierten Schusswaffen getötet – bei insgesamt 54 bekannt gewordenen Todesfällen durch Schusswaffen. Dazu kommen mutmaßlich mehrere Hundert Selbstmorde“. Dabei wundert es den Autor, dass die Statistik nicht genauer ist und die 5,5 Millionen legalen Schusswaffen nicht genauer den einzelnen Städten und Landkreisen zugeordnet werden können. Deshalb hat er sich die Mühe gemacht und diese Daten erfasst und aufbereitet. Dabei entstand eine Deutschlandkarte, die einem Flickenteppich gleicht. Denn farblich codiert kann man nun auf einem Blick erfassen wo sich besonders viele oder wenige Waffen im privaten Besitz befinden. Je roter eine Region, desto mehr Schusswaffen befinden sich dort im privaten Besitz.

Waffenland Deutschland statistische Aufbereitung durch Zeit-Online (Quelle Zeit-Online [1])

Waffenland Deutschland statistische Aufbereitung durch Zeit-Online (Quelle Zeit-Online [1])

 Demnach befinden sich in Bayern, dem Saarland und in Teilen Niedersachsens die meisten Schusswaffen. Das stimmt den Autor bedenklich, da es in solchen Regionen „auch gehäuft zu Todesfällen durch diese zu kommen scheint. Dies wird auch durch eine gerade erschienene internationale Vergleichsstudie gestützt: mehr Waffen, mehr Tote“. Leider hat es der Autor versäumt diese Quelle anzugeben. Aber immerhin versucht der Autor seine These durch die eigene Grafik zu stützen. Denn mit einem Klick auf das Feld „Todesfälle mit registrierten Waffen 2013“ werden diese als Punkte in der Grafik angezeigt. Hierbei fällt jedoch auf, dass z.B. in Berlin mit einer extrem geringen Waffendichte von 13 Schusswaffen auf 1000 Einwohner immerhin ein Todesfall registriert wurde. Auch im an Waffen armen Brandenburg wurden zwei Todesfälle registriert. Ähnliches gilt auch für Nordrhein-Westfalen. Schon auf den ersten Blick kann die Hypothese nicht ganz stimmen. Natürlich könnte man jetzt die berüchtigten amerikanischen Verhältnisse bemühen um diese Hypothese irgendwie zu untermauern. Die amerikanischen Verhältnisse wurden schon in [2] und [3] analysiert. Was in der Diskussion immer wieder unter den Tisch gekehrt wird ist die Tatsache dass Menschen auch ohne Schusswaffen Gewaltverbrechen begehen. Nich der Waffenbesitz macht den Mörder sondern der Vorsatz zur Tat. Diesen Sachverhalt Rechnung tragend habe ich nachfolgende Analyse für die Bundesländer Berlin, Hamburg, Bremen und Bayern durchgeführt. Entsprechend der Hypothese, dass mehr Schusswaffen auch mehr Tote bedeuten habe ich die Deliktzahlen aus den Polizeilichen Kriminalstatistiken dieser Länder [4 – 7] entnommen und dem Waffenbesitz aus [1] gegenübergestellt. Dabei wurde für Bayern für den Waffenbesitz ein Mittelwert aus allen Regionen errechnet.

Waffendichte und Gewaltdelikte (korrigiert)

Waffendichte und Gewaltdelikte (korrigiert)

Gemäß der Hypothese sollte Bayern die höchste Anzahl Tote durch Gewaltdelikte verzeichnen. Wie aus der obigen Tabelle zu entnehmen ist werden aber in Berlin fast dreimal häufiger Tötungsdelikte registriert als in Bayern das einen achtfach höheren Waffenbesitz ausweist. Im folgenden Bild ist dieser Sachverhalt noch einmal zur Verdeutlichung dargestellt. Die blauen Balken stellen die Waffendichte (Waffenbesitz pro 1000 Einwohner) dar. Die orangen Balken stellen die Häufigkeit der Mord- und Totschlagsdelikte auf 100.000 Einwohner bezogen dar.

Waffendichte vs Delikte gegen das Leben (korrigiert)

Waffendichte vs Delikte gegen das Leben (korrigiert)

Nun könnte man noch damit argumentieren, dass auch vom legalen Waffenbesitz eine entsprechende Gefahr ausgeht. Quasi mehr Legalwaffen bedeuten auch mehr Tote durch Legalwaffen. Dementsprechend sollte sich die Häufigkeit der Taten mit Legalwaffen auch proportional mit der Waffendichte erhöhen. Dieser Sachverhalt wurde versucht in der folgenden Tabelle wiederzugeben.

 

Waffendichte vs. Taten mit Legalwaffen (korrigiert)

Waffendichte vs. Taten mit Legalwaffen (korrigiert)

Tatsächlich wurden in Bayern sieben mal mehr Taten mit Legalwaffen registriert als in Berlin. Wenn man die Delikthäufigkeit (Anzahl der Delikte bezogen auf 100.000 Einwohner) relativiert sich diese Zahl. Demnach wurden in Bayern mit einer ca. 8-fach höheren Waffendichte nur mehr zwei mal so viele Delikte registriert wie in Berlin. In Bremen und Hamburg mit einer doppelt bzw. dreifach so hohen Waffendichte wie in Berlin wurden jedoch keine Delikte registriert. Damit sollte die Hypothese, dass mehr Waffen auch mehr Tote bedeuten hiermit widerlegt sein.

Nun müssen jedoch noch einige Ungereimtheiten bzw. Schlampereien bezüglich der Datenqualität in der Zeit berücksichtigt werden. Wenn man nämlich die Todesfälle genauer untersucht entdeckt man darunter auch den einen oder anderen Jagdunfall. Hier kann man gewiss nicht von einem kriminellen Waffenmissbrauch ausgehen. Und Unfälle geschehen auch in anderen Bereichen ganz ohne Waffen. Marc hat die Fälle Todesfälle genauer analysiert und auch Todesfälle mit illegalen Schusswaffen nachgewiesen [8].

Fazit

Den Artikel in der Zeit-Online ordne ich persönlich unter der Rubrik gut gemeint aber nicht gut gemacht ein. Ich möchte dem Autor keinen bösen Willen oder vorsätzliche Täuschung vorwerfen. Aller Wahrscheinlichkeit handelt es sich um den üblichen Fast-Food-Journalismus, schlampig recherchiert von jemandem der keine Ahnung vom Thema hat. Allerdings hätte der Autor ja auch die Fachleute fragen können, doch die gehören ja alle zur ominösen und allmächtigen Waffenlobby. Und mit solchen leuten redet man doch nicht. Immerhin fällt dem Autor auch eine Tatsache auf die uns als Legalwaffenbesitzer immer wieder ärgert. Aus der Kriminalstatistik geht leider nicht hervor, „[o]b die Todesschüsse aus einer illegalen oder einer legalen Waffe kamen, wird […] seltsamerweise nicht erfasst“. Hierfür müssen wir immer auf das Bundeslagebild warten und mühsam die Zahl der Delikte mit Legalwaffen herausrechnen.

Hinweis: Dieser Artikel wurde am 21.01.2014 auf Grund eines Hinweises eines lesers korrigiert. In der ursprünglichen Version hatten sich zwei Fehler eingeschlichen. Einmal wurde die Deliktrate für das Land Bremen zu gering angegeben, weil ursprünglich nur die Anzahl der „erfolgreichen“ Delikte gegen das Leben ohne die Tatversuche berücksichtigt wurde. Im Weiteren bezieht sich die PKS auf das Bundesland Bremen welches aus der Freien Hansestadt Bremen und Bremerhaven besteht.

Quellennachweis:

[1] Wolf Wiedmann-Schmidt (Zeit Online): „Waffenland Deutschland Auch durch legale Pistolen und Gewehre gibt es viele Todesopfer. Eine Übersicht“ in http://www.zeit.de/2014/04/waffen-deutschland; Stand 16.01.2014

[2] Schussendlich: Eine einfache Gleichung: Teil III – Die amerikanischen Verhältnisse

http://volkert.caliber-corner.de/2013/04/06/eine-einfache-gleichung-teil-iii-die-amerikanischen-verhaltnisse/; 06.04.2013

[3] Schussendlich: „Amerikanische Verhältnisse“ in http://volkert.caliber-corner.de/2013/09/20/amerikanische-verhaltnisse/; Stand: 07.09.2013

[4] Landeskriminalamt Berlin: „Polizeiliche Kriminalstatistik Berlin 2012“ in

http://www.berlin.de/imperia/md/content/polizei/kriminalitaet/pks/jahrbuch_2012.pdf?start&ts=1366028057&file=jahrbuch_2012.pdf; Stand 16.01.2014

[5] Land Bremen: „Polizeiliche Kriminalstatistik des Landes Bremen 2012“ in: http://www.inneres.bremen.de/sixcms/media.php/13/PKS2012-Buch_mit%20Tabellenanhang_1.pdf; Stand 04.09.2013

[6] Landeskriminalamt Hamburg: „Polizeiliche Kriminalstatistik 2012“ in:

http://www.hamburg.de/contentblob/3843560/data/2013-02-27-bis-pm-pks-2012-pdf-langfassung.pdf; Stand: Februar 2013

[7] Bayerisches Staatsministerium des Innern: „Entwicklung der Gesamtkriminalität in Bayern mit Aufklärung“ in: http://www.polizei.bayern.de/content/6/4/9/krimstat2012.pdf; Stand: 13.02.2013

[8] Marc Schieferdecker (German Rifle Association) in: http://german-rifle-association.de/Bm4F9 ; Stand 16.01.2014

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