Schießerei in Dossenheim: Aftermath II

Durch einen Blogeintrag der German Rifel Association [1] wurde ich auf einen Bericht in der Rhein-Neckar Zeitung [2] aufmerksam gemacht. Unter dem Titel „Nach dem Amoklauf: Dossenheimer SPD will schärferes Waffenrecht“ wird nun im Nachgang zu den schrecklichen Morden in Dossenheim vom dortigen Ortsverein der SPD eine Verbot von Großkaliberwaffen gefordert.

Eine Czeska 75 war die Tatwaffe von Dossenheim

Eine Czeska 75 war die Tatwaffe von Dossenheim

Dabei beruft sich dieser Ortsverein auf den Koalitionsvertrag der grün-roten Landesregierung. Damals sei eine Verschärfung des Waffenrechts beschlossen worden. Damit soll ein generelles Verbot für den Privatbesitz von großkalibrigen Faustfeuerwaffen sowie eine „dauerhafte höhere Kontrolldichte“ durch die Waffenbehörden durchgesetzt werden. Damals scheiterte die entsprechende Initiative im Bundesrat. Die Dossenheimer SPD will nun über einen Antrag beim SPD-Kreisparteitag die Landesregierung auffordern diese Bundesratinitiative erneut aufzunehmen und umgehend die notwendigen Schritte zur Umsetzung dieser Vereinbarung in die Wege zu leiten. „Großkalibrige Faustfeuerwaffen brauchen Privatleute nicht und brauchen nicht einmal die Sportschützen, sie sind so gefährlich, dass wir den Privatbesitz von solchen Waffen verbieten müssen“ meint die SPD. „Es gibt keine einzige olympische Disziplin für diese großkalibrigen Faustfeuerwaffen und deshalb ist diese Sportart absolut verzichtbar“ lautet die Begründung. Wie bereits Marc Schieferdecker richtig anmerkte könnte man nach dieser Logik auch jeglichen Motorsport verbieten [1]. Aber auch viele weitere Sportarten sind keine olympische Disziplinen und wären somit „absolut verzichtbar“: Squash, Racquetball, Baseball, Kegeln Bowling, Tanzen, Rhytmische Gymnastik, Inline Hockey, Speedskating, Karate, Thai-Boxen, Sportklettern und viele Sportarten mehr. Allerdings war ursprünglich Großkaliberschießen fester Bestandteil der olympischen Sportarten. Und zum Teil werden noch bis heute großkalibrige Flinten für Skeet und Trap auch olympisch geschossen.Natürlich geht es der Dossenheimer SPD „nicht um eine pauschale Vorverurteilung von Schützenvereinen […] In der Vergangenheit hätten einzelne Mitglieder von Schützenvereinen ihre legal zugelassenen Waffen jedoch für schwere Verbrechen missbraucht.“ Hier werden, wie Marc Schieferdecker bereits bemerkte, einmal mehr „Opfer von legalen Waffen politisch ausgeschlachtet und Opfer von illegalen Schusswaffen, Messern, oder anderen Formen der Gewalt, werden ignoriert.“ Selbstverständlich lassen sich die Opfer legaler Schusswaffen politisch bestens ausschlachten, werden diese doch in den Medien oft über Wochen, Monate oder gar Jahre hinweg geradezu gefeiert, wohingegen die Opfer illegaler Schusswaffen oder anderer Tatwerkzeuge in der Regel allenfalls in einer kurzen Meldung im Regionalteil der Medien erwähnt und danach sofort vergessen werden. Dementsprechend bleiben in der Öffentlichkeit nur die Opfer legaler Schusswaffen in Erinnerung. So lässt sich durch die Medien leicht eine immensen Gefährdung von Leben und Gesundheit aller Mitbürger durch legal besessene Sportwaffen kolportieren. Und diese vermeintliche Gefährdung lässt sich vorzüglich von politischen Interessen ausschlachten. Deshalb soll an dieser Stelle dieses verzerrte Weltbild durch harte Fakten korrigiert werden. Wie gefährlich sind Sportschützen tatsächlich für ihre Mitmenschen? Hierzu gibt es neben der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) auch die Aussage des Innenministers Reinhold Gall, der anlässlich der Schießerei in Dossenheim in einem Interview mit dem SWR [3] für einen Zeitraum von 10 Jahren die Zahl von 40 Toten durch legale Schusswaffen genannt hatte. Im Vergleich hierzu wurden im gleichen Zeitraum insgesamt mehr als 11.000 Menschen durch Gewaltverbrechen unter Verwendung der unterschiedlichsten Tatwerkzeuge getötet [4]. Die 40 durch Legalwaffen getöteten Menschen machen dabei einen Anteil von ca. 0,3% aus. Das bedeutet, dass von 1.000 Ermordeten Menschen 3 Opfer den Besitzern von Legalwaffen anzulasten sind. Wenn man annimmt, dass die von Reinhold Gall genannten 40 Toten jeweils von einem Täter – also insgesamt 40 Tätern – ermordet wurden, dann macht das bei geschätzt 2 Millionen Besitzern von behördlich genehmigten Schusswaffen einen Anteil von 0,002% aus. Das bedeutet, dass 2 von 100.000 Waffenbesitzer ihre Schusswaffen missbrauchten. Vergleicht man diese Zahl mit der Gesamtzahl der Mordopfer von ca. 11.000 Menschen mit der Bevölkerung in Deutschland von ca. 82 Millionen Einwohnern, unter der gleichen Annahme, dass jedes Opfer von genau einem Täter ums Leben gebracht wurde, dann entspräche der Anteil an Mödern 0,013%. Das bedeutet, dass in der unbewaffneten Bevölkerung 6,5 mal mehr Mörder zu finden sind als bei den Legalwaffenbesitzern.

Zahlen zu Morden und Waffenmißbrauch

Zahlen zu Morden und Waffenmißbrauch

 Diese Zahlen belegen klar, dass von den Legalwaffenbesitzern eine außergewöhnlich geringe Gefährdung für Leib und Leben ihrer Mitmenschen ausgeht. In Anbetracht dieser Erkenntnisse täte die SPD besser daran ihre Energie auf die tatsächlichen Gefährdungen in unserer Gesellschaft zu lenken, dies wäre erfolgversprechender und zugleich nachhaltiger.

 Quellennachweis:

 [1] M. Schieferdecker (GRA): „Dossenheimer SPD fordert Verbot von großen Kalibern“ in http://german-rifle-association.de/dossenheimer-spd-fordert-verbot-von-grossen-kalibern/; Stand 26.09.2013

[2] Christoph Moll (Rhein-Neckar Zeitung): „Nach dem Amoklauf: Dossenheimer SPD will schärferes Waffenrecht“ in http://www.rnz.de//RegionDossenheim/00_20130925070022_107312564_Nach_dem_Amoklauf_Dossenheimer_SPD_will_schaer.html, Stand 25.09.2013

[3] R. Gall am 21.08.2013 im Südwest Rundfunk (SWR): http://www.swr.de/landesschau-aktuell/bw/-/id=1622/did=11931386/nid=1622/1luig8t/index.html; Siehe auch hier: http://volkert.caliber-corner.de/2013/09/20/schieserei-in-dossenheim-reinhold-gall-im-interview/

[4] Wikipedia: „Mord (Deutschland)“ in http://de.wikipedia.org/wiki/Mord_%28Deutschland%29#Statistik; Stand 28.09.2013

 

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