Das Geschäft mit den Waffen – Wie in Österreich eine Lobby Stimmung macht

Am vergangenen Mittwoch wurde im ZDF Auslandsjournal unter dem Titel „Das Geschäft mit den Waffen – Wie in Österreich eine Lobby Stimmung macht“ ein Beitrag über das Waffenrecht in Österreich gesendet [1]. In der Ankündigung [2] zu diesem Beitrag heißt es: „Im Vergleich zu seinen Nachbarländern hatte Österreich eine sehr liberale Gesetzgebung in Bezug auf Schusswaffen“. In der Tat hatte Österreich bis vor Kurzem im Vergleich zu Deutschland ein liberales Waffenrecht. So konnten noch bis Ende letzten Jahres von jedem volljährigem Österreicher Langwaffen – Einzellader und Repetierer frei erworben werden. Lediglich Halbautomaten sowie Kurzwaffen bedurften einer behördlichen Bewilligung. Insofern stimmt die Aussage in der Ankündigung des Auslandsjournals, dass es kein zentrales Waffenregister gibt und deshalb auch nicht bekannt ist wie viele Waffenbesitzer es in Österreich gibt. Das allerdings sogenannte „Softguns“ einer waffenrechtlichen Erlaubnis in Form eines Waffenscheins bedürfen wie dies in der Ankündigung geschrieben wurde dürfte schlicht der Unwissenheit der Journalisten zuzuschreiben sein. Gemäß einer EU-Richtlinie sollen nun alle Waffenbesitzer bis 2014 registriert werden. In Vorbereitung eines zentrales Waffenregisters sollen deshalb seit Anfang dieses Jahres alle Schusswaffen auch diejenigen, die bis Ende letzten Jahres von Österreichern frei erworben wurden registriert werden. In Bezug auf diese Registrierung regt sich unter anderem in der Interessengemeinschaft liberales Waffenrecht in Österreich Widerstand. Nachfolgend ist ein Transkript der gestrigen Sendung zusammen mit Kommentierungen zu finden.

ZDF-Auslandsjournal_Glock26Einblendung: Evi Dollezahl, Besitzerin eines Tabakladens holstert ihre Pistole

Sprecherin:   „Evi Dollezahl steht nicht mehr jeden Tag in ihrem Tabakgeschäft in Wien, aber wenn dann nur mit schussbereiter Waffe“.

Evi Dollezahl:   Die habe ich von meinem Schatz bekommen. Je sicherer, desto besser. Aber, also ich habe da jetzt nur zwei, maximal drei Patronen drin“.

Sprecherin:   „Drei bis vier Überfälle sagt Evi gäbe es auf Geschäfte wie dieses. Die Polizei zählt zwar nur die Hälfte, Evi verlässt sich aber trotzdem lieber auf ihre 26er [Glock 26 Cal. 9x19mm]. Sie würde nicht zögern zu schiessen sagt sie“.

Kommentar: Auch wenn die Polizei weniger Überfälle zählt, so scheinen Teile der Bevölkerung doch verunsichert zu sein. Diese Verunsicherung nicht zu beachten oder gar als Hysterie abzukanzeln wäre meines Erachtens ein Fehler. Hier wäre ehrliche und vollständige Aufklärung die bessere Vorgehensweise.

Evi Dollezahl:   „Also, wenn mein Leben, das Leben meiner Mitarbeiter, das Leben meiner Familie oder meiner Kinder gefährdet ist auf jeden Fall. Keinen Moment zögern“.

Reporterin aus dem Hintergrund:   „Schiessen?

Evi Dollezahl:   „Schiessen! Ja!“

Überblendung: Haus des General Sekretärs der IWÖ

Sprecherin:   „Waffenträger müssen in Österreich zum Psychotest und eine besondere Gefährdung nachweisen. Zu viel Schikane findet Georg Zakrajsek [Interessengemeinschaft liberales Waffenrecht in Österreich]. Er will leichter ran an die Gewehre und plädiert für ein liberaleres Waffenrecht in Österreich“.

Kommentar: Tatsache ist, dass das Österreichische Waffenrecht erst mit Wirkung zum Beginn dieses Jahres verschärft wurde. Zur Erinnerung, bis Ende vergangenen Jahres konnten Langwaffen (Einzellader und Repetierer)  frei erworben werden. Seit diesem Jahr dürfen Langwaffen nur noch nach vorheriger Bedürfnisprüfung (in Österreich gilt auch Selbstverteidigung als Bedürfnisgrund) und Registrierung erworben werden. Die IWÖ setzt sich vor allem gegen das Zentralregister ein.

Georg Zakrajsek:   „Waffenbesitz ist Menschenrecht. Der Mensch beginnt mit der Waffe Mensch zu sein. Bevor er keine Waffe hat ist er kein Mensch. Dann ist er ein Affe.“

Kommentar:  Solche Worte, zumal aus dem Mund eines führenden Mitgliedes der IWÖ, sind natürlich Munition für die Verfechter schärferer Waffengesetze. Ich kann deshalb nur vermuten, dass diese Sätze aus dem korrekten Kontext gerissen wurden.  Allerdings hat Herr Zakrajsek in gewissem Sinne mit diesen Worten recht. Nur durch die Erfindung geeigneter Waffen und anderer Werkzeuge ist es dem Menschen gelungen sich gegen eine feindliche Natur mit zahlreichen Fressfeinden durchzusetzen. Als dann der Mensch sesshaft wurde musste er die lokalen Resourcen (Heim, Boden, Nahrung usw.) auch gegen Seinesgleichen verteidigen. Dies gelang dem Menschen durch Organisation und Aufgabenteilung. Aber auch durch Waffen. Insofern haben Waffen zur Menschwerdung und zur Zivilisierung beigetragen. In diesem Kontext können Waffen auch als kulturstiftend erachtet werden.

Sprecherin:   „Schützenhilfe für die Waffenbrüder kommt von rechts, von der FPÖ. Klar dass er die wählt sagt Zakrajsek. Erst die komplette Bewaffnung der Bevölkerung mache Wien wirklich sicher.“

Kommentar: Wieso wird hier von Waffenbrüdern gesprochen? In den Verbänden und Interessenvertretungen gibt es auch viele Frauen. Ich weiss zwar nicht, ob Evi Dollezahl einem Verband wie z.B. der IWÖ angehört, allerdings lässt der weitere Verlauf dieser Dokumentation darauf schließen. Anderseits kann mit dem martialischen Begriff Waffenbrüder auch auf unterschwellige Weise eine Nähe zum Militarismus hergestellt werden.

Georg Zakrajsek:   „Jeden Tag wird fast einer umgebracht. Jeden Tag wird jemand mit dem Messer abgestochen. Jeden Tag werden 20 Leute überfallen. Es ist so! Wir leben in einer furchtbaren Zeit mit einer überbordenden Kriminalität.“

Kommentar: Wenn man die Rate der Tötungsdelikte unabhängig vom verwendeten Tatwerkzeug betrachtet ist diese mit der in Deutschland vergleichbar und im europäischen sowie weltweiten Vergleich sogar ausgesprochen niedrig. Hier mag Herr Zakrajsek einem falschen subjektiven Eindruck unterliegen. Es wäre jedoch auch hier falsch dieses Unsicherheitsempfinden leichtfertig zu ignorieren. Insgesamt betrachtet liegt die Kriminalitätsrate mit 6818 Straftaten auf 100.000 Einwohner in Österreich sogar unter der von Deutschland mit 7548 Straftaten auf 100.000 Einwohner [3].

Sprecherin:   „Kriminalsoziologe Reinhard Kreissl relativiert. Österreich sei schließlich nicht Kolumbien. Die steigende Kriminalitätsrate würde nur subjektiv so wahrgenommen.“

Kommentar:  Ebenso dürfte die Gefährdung durch den legalen Waffenbesitz nur subjektiv wahrgenommen sein.

Überblendung: Institutsbibliothek

Reinhard Kreissl (Institut für Rechts- und Kriminalsoziologie Wien):   „Wenn sie heute in die Zeitung schauen, und es werden Ihnen sämtliche Einbrüche in ganz Österreich berichtet, dann sagen sie: Jessas Maria, was passiert denn? Aber wenn sie sich umschauen in ihrem näheren Umfeld, passiert kaum Jemandem etwas.“

Kommentar: Ebenso wird in den Medien heutzutage über Verbrechen mit Legalwaffen überregional, ja sogar weltweit berichtet. Dann muss man ebenso sagen Jessas Maria, was passiert denn?

Überblendung: Tatort eines Überfalls mit einem Toten

Sprecherin:   „Geschäftsinhaber in Wien setzen sich aber immer häufiger mittels Schusswaffe gegen Überfälle zur Wehr. Schon 9 Fälle mit tödlichem Ausgang dieses Jahr. Wie hier, als ein Wiener Juwelier einen Räuber angeblich in Notwehr erschießt – in den Rücken. Aber auch die Täter schießen.“

Kommentar: Es stellt sich die Frage, ob es weniger Überfälle auf Juweliere gäbe wenn diese nicht bewaffnet wären? Werden die Räuber in Zukunft den unbewaffneten Juweliern mit rosa Wattebäuschen zur Herausgabe der Juwelen auffordern?

Überblendung: Tatort des Amoklaufs von Großpriel in Niederösterreich

Sprecherin:   „Vergangene Woche, der schwärzeste Tag in Österreichs Kriminalgeschichte. Beim Versuch den Wilderer Alois H. Festzunehmen, tötet der mit gezielten Schüssen drei Polizisten und einen Sanitäter. Mit soviel Brutalität hatte niemand gerechnet. Auch nicht sein engster Freund, den er noch anruft bevor er sich selbst richtet.“

Überblendung: Wohnstube des Freundes des Amokläufers von Großpriel

Herbert Huthansel (Freund von Alois H.):   „Ich ruf, dich eigentlich an, weil ich will mich von dir verabschieden. Sage ich, was wills du dich von mir verabschieden? Naja, sagt er ich habe ja in der Nacht heute drei Polizisten erschossen. Und das war hart.“

Überblendung: Foto vom Waffenlager des Amokläufers von Großpriel [4]

Sprecherin:   „Alois H., leidenschaftlicher Jäger und Waffennarr, hatte in seinem Haus über 100 Jagdgewehre gehortet. Illegal.

Kommentar:  Es stellt sich die Frage, was eine weitere Verschärfung der Waffengesetze bringen würde, wenn sich Straftäter ohenhin nicht um Einhaltung der Gesetze bemühen und auch nicht davor zurückschrecken sich illegal zu bewaffnen.

Überblendung: Schießstand, Anwesende: Evi Dollezahl, Georg Zakrajsek, zwei weitere Personen

Sprecherin:   „Der sicherste Platz in Wien und auf der Welt. Für Georg Zakrajsek ist das ein Schießplatz, weil da alle Waffen haben. Auch Ladenbesitzerin Evi Dollezahl findet, sicherer werde Österreich nur, wenn alle bis an die Zähne bewaffnet sind.“

Kommentar: Frau Dollezahl fühlt sich offenbar sicherer, wenn sie in ihrem Tabakladen eine Schusswaffe be sich trägt. Ob Frau Dollezahl aber tatsächlich dafür eintritt sich bis an die Zähne zu bewaffnen ist doch sehr zweifelhaft. Im anderen Fall würde sie sich vermutlich nicht nur mit zwei oder drei Patronen in der Pistole begnügen und wahrscheinlich auch weiteres Schießgerät im Laden und zu Hause horten. Es kann damit ausgegangen werden, dass die Metapher – bis an die Zähne bewaffnet – eine bewusste Übertreibung der Journalisten ist. Zmal sich Frau Dollezahl später auch dafür ausspricht, dass sie selbst auf die Schusswaffe verzichten könnte, wenn dies alle anderen auch täten (siehe unten).

Evi Dollezahl:   „Würden sie jemanden überfallen, wenn sie wissen er ist bewaffnet und so? Wenn jeder Waffenträger wäre, würde es keine Überfälle mehr geben.“

Kommentar:  In der Tat könnte Frau Dollezahl mit dieser Einschätzung recht haben. Auch Ganoven denken ergebnisorientiert und wägen dabei Risiken und den möglichen Ertrag ab. Für die meisten Kriminellen dürfte das Risiko von einem bewaffneten Opfer erschossen zu  werden zu hoch sein. Für ein solches Risiko müsste die Beute schon angemessen hoch sein.

Überblendung: Institutsbibliothek

Reinhard Kreissl:   „Ich fürchte die Leute sehen zu viel Fernsehen. Bis sie so ein Ding gezogen haben und dann sind sie in einer hoch emotionalisierten Situation, in der schießen sie daneben oder sie durchsieben ihr Gegenüber, was ja auch immer wieder passiert.“

Kommentar:  Meines Erachtens hat hier der Kriminalsoziologe sogar Recht. Es handelt sich für das Opfer um eine hochemotionalisierte Situation. Aber ebenso auch für den Täter. Auch dieser wird nur in den seltensten Fällen mit der nötigen inneren Ruhe und sprichwörtlichen Kaltblütigkeit handeln.

Überblendung: Schießstand

Sprecherin  „Waffe ziehen, entsichern, zielen, dann erst schiessen. Das im Falle eines Überfalles die Zeit knapp werden könnte, die Frage stellt sich hier Keinem. Der Verteidígungsfall ist eine Frage der Ehre. „

Georg Zakrajsek:  „Es macht immer einen Sinn sich zu verteidigen. Also auch wenn der Kontakt, der Körperkontakt schon da ist. Ich darf nie aufgeben. Also wir sagen, kämpfe solang du kämpfen kannst. Es geht um dein Leben.

Kommentar:  In einer Verteidigungsituation macht es unbedingt und immer Sinn mit allen sich zur Verfügung stehenden Mitteln um das eigene Leben und die eigene Gesundheit zu kämpfen. Das ist ein Recht, dass sogar der Gesetzgeber jedem Opfer einer Straftat gegen Leib und Leben mit dem Notwehrrecht zubilligt. Von den Opfern anderes zu verlangen und zu erwarten ist schlicht menschenverachtend und würde den Straftätern einen ungeheurlichen Vorteil gewähren, wenn diese sich sicher sein könnten, dass gesetzestreue Bürger sich nicht zur Wehr setzen, wenn dies der Gesetzgeber fordert.

Überblendung: Taxifahrt durchs abendliche Wien, Tatort eines Überfalls auf einen Taxifahrer

Sprecherin:   „Das dachte sich auch ein Taxifahrer in Wien, bis er selbst schießt. Als ein Fahrgast ihn mit dem Messer bedroht, zieht er seine Pistole und schießt nach hinten auf den Rücksitz. Feuert als der Räuber flieht. Und dann tot zusammenbricht.“

Kommentar:  Wenn man mit einem Messer bedroht wird, stellt das zweifellos eineunmittelbare Gefahr für Leib und Leben dar. Insofern ist der Einsatz einer Schusswaffe durchaus gerechtfertigt, zumal der Täter auf dem Rücksitz einen unmittelbaren Vorteil gegenüber seinem Opfer hat welches mit dem Rücken zu ihm sitzt.

Überblendung: Taxifahrer von hinten in einem Büroraum, Stimme vermutlich verfremdet

Taxifahrer  „Ich hab das zwar gehört, aber da oben habe ich das immer noch nicht begriffen, dass der tot ist. Wieso soll er tot sein? Mir geht’s Scheisse. Ich glaub‘ das sieht man.“

Kommentar: Selbstverständlich ist es schlimm,  wenn man einen Menschen, wenn auch in einer Notwehrhandlung,  getötet hat. Auch wenn der Räuber sein Schicksal selbst verschuldet hat. Alles andere wäre unsensibel und unmenschlich und würde mich an der Aufrichtigkeit und dem Motiv des Schützen zweifeln lassen. Aber immerhin hat der Taxifahrer eine lebensbedrohliche Situation überstanden ohne körperlichen Schaden zu nehmen.

Überblendung: Institutsbibliothek

Reinhard Kreissl:   „Der Staat hat das Gewaltmonopol. Die Waffen wurden eingesammelt. Die Leute sollen sich friedlich auseinandersetzen. Und nicht aufeinander losgehen. Wenn sie schauen wo Waffen normalerweise verwendet werden in der Bevölkerung, sind das meistens Fälle von Amokläufern. Irgendwelchen durchgeknallten, hoch emotionalisierten Personen, die weil eine Waffe in der Nähe ist und sie Zugang zu einer Waffe haben sie auch benützen.“

Kommentar: Hier werden nun wieder typische Pseudoargumente von Waffengegnern zitiert. Das Gewaltmonopol des Staates verlangt nicht, dass private Waffen eingesammelt werden. Das Gewaltmonopol stellt die sogenannte Selbstjustiz unter Strafe und das ist auch gut so. Die Notwehr hingegen stellt keine Form der Selbstjustiz dar solange es tatsächlich nur um den Schutz von Leib und Leben vor einem gewalttätigen Angriff geht. Das Gewaltmonopol billigt den Bürgern sogar das Recht auf Selbstverteidigung im Sinne einer Notwehrhandlung zu, weil der Staat eben nicht zu jedem beliebigen Zeitpunkt jeden einzelnen Bürger beschützen kann. Was das Gewaltmonopol verbietet sind Rachehandlungen oder wenn Gesetze in die eigene Hand genommen oder gar eigenmächtig umdefiniert werden. Was die „normalerweise“ Verwendung von Schusswaffen betrifft, so werden die allerwenigsten tatsächlich dafür verwendet Menschen zu bedrohen oder zu töten. In den meisten Fällen werden Waffen für das sportliche Schiessen, die Jagd, als Sammlerstück oder auch nur als Erinnerung verwendet. Die sogenannten Amokläufe wiederum stellen im Rahmen der mißbräuchlichen (kriminellen) Verwendung der Schusswaffen auch wieder die absolute Ausnahme dar. Hier unterliegt der Kriminalsoziologe nun selbst einem subjektiv falschen Eindruck, den er zuvor im Fall des Unsicherheitsgefühls (s.o.) vieler Menschen anerkannt hatte. „Irgendwelchen durchgeknallten, hoch emotionalisierten Personen“, die  eine Straftat gegen Leib und Leben begehen wollen werden sich des Tatwerkzeugs bedienen welches gerade verfügbar ist. In einem Fall mag es die Schusswaffe sein, im anderen Fall das Messer. Wie sonst ließen sich zahlreiche Amokläufe erklären, die gänzlich ohne Schusswaffen ausgeführt wurden? [5]

Überblendung: Tabakladen

Sprecherin:  „Evi Dollezahl ist überzeugt, sie wurde in ihrem Laden noch nie überfallen, wegen der Waffe die sie sie offen trägt. Und nur manche Kunden sehen’s mit gemischten Gefühlen.“

Kunde  „Für ihre Sicherheit. Leider Gottes, es passiert ja eh viel zu viel.“

Reporterin (aus dem Hintergrund):   „Ist das so?“

Kunde:   „Natürlich.“

Sprecherin (Das Handy des Kunden spielt als Klingelton das Lied vom Tod):   „Wie zur Mahnung, Spiel mir das Lied vom Tod. Zum Glück zieht Peter [der Kunde] nur sein Handy.“

Kommentar:  Auch hier wieder eine geschickte Medienmanipulation. Der Klingelton des Kunden hätte nicht passender sein können. Selbstverständlich sind Schusswaffen tödliche Werkzeuge. Das wird wohl auch der Frau Dollezahl sowie den allermeisten Waffenbesitzern bewusst sein. Dem Zuschauer vor dem Fernsehgerät suggeriert der Klingelton und der Kommentar der Sprecherin eine unmittelbare Gefahrensituation. Diese Gefahr ist jedoch nicht gegeben, wenn sich Frau Dollezahl und ihre Kunden an die geltenden Rechte und Gesetze halten. Dem unbescholtenen Bürger  und auch dem unbescholtenen Waffenbesitzer darf ruhig etwas mehr Vertrauen entgegengebracht werden.

Kundin:   „Sie haben eine?“

Evi Dollezahl:   „Jeder, fast jeder bekannte Traffikant (Kioskbesitzer)* ist Waffenträger. Ja.“

Kundin:   „Wirklich? Habe ich noch nie gemerkt. Es passiert doch so viel. Und alles was mit Waffen und Gewalt zu tun hat. Also nein.“

Kolmmentar: Diese Kundin fühlt sich durch die Schusswaffe der Frau Dollezahl offenbar verunsichert. Dass ist auch ihr gutes Recht. Ebenso wie es das gute Recht von Frau Dollezahl ist sich mit der Pistole zu schützen.

Sprecherin:  „Übrigens wäre auch Evi für eine Welt ganz ohne Waffen.“

Kommentar: Diese Aussage steht im Widerspruch zur obigen Aussage, dass Frau Dollezahl befürwortet dass Alle  bis an die Zähne bewaffnet sein sollen. (Siehe oben)

Evi Dollzeahl:  „Nur wenn, dann dürfen es wieder alle haben. Gleiches mit Gleichem. Auge um Auge. Zahn um Zahn.“

Sprecherin:   „Und die Polizei, die ist im Zweifel eh weit weg, sagt Evi. Ihre 26er aber, die ist immer griffbereit.“

Kommentar:  Hier muss der Sprecherin uneingeschränkt Recht gegeben werden. ImZweifel wird Frau Dollezahl ganz allein auf sich gestellt sein.

Zusammenfassung:

Insgesamt wurde diese Reportage aus verschiedenen Versatzstücken und unterschiedlichsten Informationsquellen zusammengestückelt. Durch die vielen Überblendungen soll der Zuschauer gezielt auf ganz bestimmte Aussagen hingewiesen und ganz bestimmte Einsichten hingeführt werden. Diese Form der Reportage bietet die Möglichkeit und Gefahr bestimmte Aussagen und Fakten aus dem ursprünglichen Kontext herauszureissen und in Relation zu anderen Informationen eine ganz neue Bedeutung zuzuweisen. Insgesamt ist diese Reportage dennoch überraschend neutral gelungen, auch wenn der Grundtenor immer noch eine gewisse Aversion gegen Waffen in Privatbesitz transportieren soll. Was das nun mit dem „Geschäft mit den Waffen“ und der „Stimmungsmache“ der Waffenlobby zu tun hat, wie der Sendungstitel verheisst, ist vermutlich nur den Reportern bekannt.

* Editiert am 28.09.2013. Vielen Dank für den Hinweis auf den „Traffikant“ von Techwessel.

Quellennachweis:

[1] ZDF.Auslandsjournal: „Das Geschäft mit den Waffen – Wie in Österreich eine Lobby Stimmung macht“ in http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1993060/Oesterreichs-Waffenlobby#/beitrag/video/1993060/Oesterreichs-Waffenlobby; Stand 25.09.2013

[2] ZDF: „ZDF-Programmhinweis, Mittwoch, 25.09.2013“ in http://www.presseportal.de/pm/7840/2562593/zdf-programmhinweis-mittwoch-25-september-2013, Stand 25.09.2013

[3] EUROSTAT: Cynthia Tavares, Geoffrey Thomas: „Kriminalität und Strafverfolgung (58/2010) “ in http://www.bka.de/nn_224630/SharedDocs/Downloads/DE/Publikationen/InternationaleStatistiken/StatistikKurzGefasst/KriminalitaetUndStrafverfolgung__58__2010,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/KriminalitaetUndStrafverfolgung_58_2010.pdf; Stand 2010

[4] ORF: „Wilderer: Gestohlene Motorräder gefunden“ in http://noe.orf.at/news/stories/2605344/; Stand 24.09.2013

[5] Volkert: „Keine Schusswaffen keine Amokläufe“ in http://volkert.caliber-corner.de/2013/09/23/keine-schusswaffen-keine-amoklaufe-teil-ii/; Stand 01.09.2013

 

 

 

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