Schießerei in Dossenheim

Ursprünglich veröffentlicht am 26. August 2013 am

Am 21. Augst ereignete sich in Dossenheim, einem kleinen Ort im Rhein-Neckar-Kreis, ein schreckliches Verbrechen. Ein Mann erschießt zwei Menschen, verletzt weitere fünf und tötet sich anschließend selbst.

Mannheimer_Morgen vom 22.08.2013

Mannheimer_Morgen vom 22.08.2013

 

Der Mannheimer Morgen [1] berichtet unter der Überschrift „Ein 17 Schüsse langer Alptraum“ ausführlich über dieses Ereignis. In der Tat muss es für die getöteten und Verletzten aber auch für die Zeugen ein furchtbarer Alptraum gewesen sein, als am Vortag in einem Versammlungsraum eines Vereinslokals der Todesschütze mit den Worten „Ich bring’ euch alle um“ den Tatort betritt und auf die Anwesenden schießt. Auslöser für diese Bluttat war offenbar ein Konflikt um eine Nebenkostenabrechnung einer Wohnungseigentümergemeinschaft. Der Täter fühlte sich offenbar um sein Geld betrogen. Schon zuvor war die Sache eskaliert. Bereits kurz nach dem Beginn einer Eigentümerversammlung kam es zu einem Streit in dessen Verlauf der Täter sogar beinahe handgreiflich geworden sein muss. Daraufhin wurde er durch den Hausverwalter des Raumes verwiesen. Kurze Zeit später kehrte der Täter in das Vereinslokal zurück, betrat aber nicht sofort den Versammlungsraum. Stattdessen hielt er sich zuvor im Vereinslokal auf und bestellte sich ein Getränk. Ein Zeuge schilderte, wie der Täter vor sich hin grübelte und mehrfach aufstand um den Versammlungsraum zu betreten sich aber dann wieder hinsetzte. Schließlich betrat er doch noch den Versammlungsraum und begann sofort mit der Schießerei in deren Verlauf zwei Menschen starben und fünf – darunter auch seine Frau – verletzt wurden. Dass der Täter nicht wahllos um sich schoss, belegt die Tatsache, dass er einem Kellner gesagt haben soll: „Geh aus dem Weg, Dir mache ich nichts“. Am Ende richtete der Täter sich selbst.

Dieser Bericht von Tim Herre hält sich im Wesentlichen an die Faktenlage und ist wertneutral geschrieben. Im weitere wurden im Mannheimer Morgen von einem anderen Journalisten unter dem Titel „Anwohner bestürzt und fassungslos“ [2] auch über die Reaktionen von Anwohnern und anderen Unbeteiligten berichtet. Diese Berichte sind schon emotionaler abgefasst. So wird ausführlich über die Gefühle und Ängste des Vereinspräsidenten und der Menschen berichtet, die sich in der Nähe des Tatortes befanden. Selbstverständlich sind Menschen verängstigt und emotional aufgewühlt, wenn in ihrem Lebensumfeld solche schrecklichen Taten geschehen. Ich frage mich allerdings, weshalb ausgerechnet in diesem Fall so ausführlich über das seelische Befinden der Menschen berichtet wird. Tagtäglich geschehen in diesem Land schreckliche Verbrechen. Allerdings werden dabei nur in den seltensten Fällen die Befindlichkeiten der Menschen, gleich ob Hinterbliebene, Opfer, Zeugen, Anwohner thematisiert. Wenn man dann aber die weiteren Artikel weiterer Autoren liest wird schnell klar, dass auch der Mannheimer Morgen zu den Befürwortern von Waffenverboten zu zählen ist. Unter dem Titel „Psychologische Eignung testen“ [3] wurde ein Kurzinterview mit einem Polizeipsychologen veröffentlicht. Auf die Frage, ob „bei Sportschützen die Hemmschwelle für solche Gewalttaten niedriger als bei anderen Menschen [liegt], erkennt der Psychologe an, dass es „keinerlei Erkenntnisse für einen Zusammenhang mit Sportschützen“ gibt „auch wenn wir in Deutschland bei jedem Ereignis auf diese Personengruppe schauen“. Für den Polizeipsychologen „ist es vielmehr eine Frage der psychologischen Eignung“ und „diese […] werde[n] noch viel zu wenig untersucht“. Bezeichnend für das übliche Vorgehen heutiger Journalisten die Sportschützen als eine randständige Gruppierung zu charakterisieren ist die Chronologie tödlicher Vorfälle „ unter dem Titel „Bluttaten von Schützen“ [4]. Demnach haben „tödliche Zwischenfälle mit Sportschützen […] immer wieder Diskussionen über Waffenbesitz ausgelöst“ und die Diskussionen angeheizt. In diesem Artikel werden einige Tötungsdelikte aus diesem Jahr (Wellendingen, Eberbach, Westerwald), dem Jahr 2012 (Bad Dürrheim, Rostock), dem Jahr 2011 (Hamburg), dem Jahr 2010 (Lörrach), dem Jahr 2009 (Winnenden) und schließlich aus dem Jahr 2002 (Erfurt) aufgezählt.

Abgesehen davon, dass in Bad Dürrheim das Opfer nicht getötet sondern schwer verletzt wurde und in Lörrach ein Opfer erstickt und ein anderes mit dem Messer erstochen wurde kann die Chronologie auch keineswegs als vollständig betrachtet werden. Offenbar hat der Journalist nicht sauber recherchiert sondern lediglich versucht eine vermeintliche Bedrohungslage zu skizzieren. Gerade deshalb ist die Intention meines Erachtens deutlich, es geht nicht darum die Menschen sachlich, umfassend und korrekt zu informieren. Es geht einzig und allein darum „die Sportschützen“ als Gewalttäter und potentielle Zeitbomben mit Schusswaffen darzustellen, die so wie der Täter von Dossenheim jeden Augenblick zur Gefahr für die Allgemeinheit werden können.

Quellennachweis:

[1] Tim Herre: “Ein 17 Schüsse langer Alptraum” in Mannheimer Morgen 22.8.2013

[2] tir/sin/mis/ths: “Anwohner bestürzt und fassungslos” in Mannheimer Morgen 22.8.2013

[3] sin: “Psychologische Eignung testen” in Mannheimer Morgen 22.8.2013

[4] dpa/sin: “Bluttaten von Schützen” in Mannheimer Morgen 22.8.2013

 

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