Schießerei in Dossenheim: Mediale und politische Auswirkungen

Ursprünglich veröffentlicht am 28. August 2013

Nun liegt die Tragödie von Dossenheim schon eine Woche in der Vergangenheit. Die allgemeine Aufregung in der Medien- und Politiklandschaft hat glücklicherweise deutlich nachgelassen. Letzte Zeitungsmeldungen wurden vor drei Tagen anlässlich einer Trauerfeier für die Opfer dieser Wahnsinnstat veröffentlicht. Damit scheint es jetzt die richtige Zeit zu sein, Medienberichte, Verlautbarungen von Politikern und Meinungsäußerungen zu analysieren.

Medienecho zur Schießerei in Dossenheim.

Noch am selben Abend, unmittelbar nach dem Verbrechen wurde bereits im Regionalfernsehen und Regionalen Rundfunk berichtet. Am darauffolgenden Tag wurde in einer Unzahl verschiedener Medien über diese Tat berichtet. Schnell wurde diese Bluttat als Amoklauf bezeichnet.

Am ausführlichsten hat noch der Mannheimer Morgen über diese Tat berichtet [1]. Das ist noch erklärbar weil Dossenheim mit nur ca. 10 Kilometer Entfernung in unmittelbarer Nachbarschaft zu Mannheim liegt. Im Hauptartikels des Mannheimer Morgens wurde der Fall noch sehr sachlich und ohne Wertungen beschrieben. Viel interessanter war das mediale Interesse in den überregionalen Medien. In SpON [2] und Focus [3] wurde schon in der Überschrift klargestellt, dass der Täter ein Sportschütze war. Damit wird dem Leser ein klares Feindbild vorgehalten. Der Stern titelte sogar „Der Feind in meinem Haus“ [4] und stellte damit klar, dass Sportschützen im Allgemeinen als potentielle Amokläufer und Feinde zu gelten haben. Vergleichsweise nüchtern und sachlich berichtete noch N-TV [5] über dieses Verbrechen. Auch in Lokalzeitungen wurde bundesweit über die Schießerei in Dossenheim berichtet [z.B. 6 – 9]. Wobei diese Berichte meistens kürzer und weniger sensationell gehalten sind. Auch wird nicht gleich in der Überschrift auf den Zusammenhang mit einem Sportschützen hingewiesen. Etwas sensationeller war hier schon der Beitrag des Hamburger Abendblatts [1] welches enthüllte, dass die Bundesministerin Böhmer selbst am Tatort war und nur knapp dem Attentat entging. Kaum auszudenken welche Tragödie es geworden wäre, wäre die Bundesministerin, die zu einer Wahlkampfveranstaltung anwesend war, nicht eine Stunde zuvor zufällig abgereist.

Aus dieser Zusammenstellung wird eines klar: Die großen Leitmedien kolportieren ein klares Feindbild. Zusammen mit den anderen Medien wird viel voneinander und von Presseagenturen (AP, dpa) abgeschrieben. Dabei kommt es nicht so sehr auf die Vermittlung sachlicher und faktenbasierter Informationen an, wichtiger ist es möglichst sensationell zu berichten. Auch der SWR als Öffentlich Rechtliche Rundfunkanstalt beteiligt sich in besonders engagierter Form an der medialen Hetze gegen Sportschützen [11-14]. Besonders haarsträubend ist dabei ein Interview mit dem Landesinnenmnister von Baden-Württemberg Gall. In der Anmoderation wird ein weiteres Verbrechen welches mutmaßlich von der Russen-Mafia begangen wurde indirekt den Sportschützen angelastet weil dieses Verbrechen zufällig in der Nähe eines Schützenhauses verübt wurde [14]. Jeder wird sich vorstellen können wie die Reaktionen der Öffentlichkeit ausgesehen hätten wenn die Moderatorin in einem Interview über allgemeine Gewaltkriminalität den Satz gebracht hätte: “Erst heute fand ein Raubüberfall in der Nähe eines Asylantenwohnheims statt.” Eine Öffentlich Rechtlichen Rundfunkanstalt, welche vollständig aus Zwangsabgaben der Bürger alimentiert wird, sollte eigentlich mehr professionalität, weniger Sensationalismus und keine unterschwelligen Manipulationen  bieten. Das gesamte Interview kann als parteiliche Propagandaveranstaltung im Sinne der Grün-Roten Entwaffnungs-Ideologie bezeichnet werden. Unter kritischem Journalismus verstehe zumindest ich etwas anderes.

Offenbar werden alle Verbrechen die von Sportschützen unter Missbrauch der behördlich genehmigten Schusswaffen und mit mehr als einem Toten begangen werden unter dem Begriff Amokläufe subsummiert und in allen Medien breit getreten.

Wie sonst kann man es sich erklären, dass über andere Verbrechen mit Toten und Verletzten nur in Lokalen Medien und dann auch nur mit wenigen Sätzen berichtet wird? Nur wenige Tage vor dem Drama in Dossenheim wurden zwei Frauen in Oberhausen durch Schüsse getötet [15]. Die Tatsache, dass nicht seitenweise und bundesweit in allen Medien über diese Bluttat berichtet wurde lässt darauf schließen, dass der Täter kein feindlicher Sportschütze und die Tatwaffe illegal war. Nur wenige Tage nach dem Drama von Dossenheim wurde ein weiteres Verbrechen begangen. Eine Frau wurde im Auto erschossen [16]. In der Überschrift wurde aber nicht darauf hingewiesen, dass der Täter kein Sportschütze war. Dieser Artikel ebenfalls vom Focus ist vergleichsweise kurz und unemotional gehalten. Das ist eben business as usual. Ein weiteres furchtbares Verbrechen ereignte sich ebenfalls vergangenen Sonntag. Einem kleinen Kind wurde der Schädel eingeschlagen. Anschließend wurde das kleine Mädchen in den Müll geworfen [17]. Über dieses Verbrechen wurde zwar ebenfalls im Focus geschrieben, jedoch auch in einem eher eher nüchternen und knappen Stil. Auch wurden keine Innenminister dazu befragt, welche Maßnahmen ergriffen werden können, um solche Verbrechen an unschuldigen Kindern zu verhindern. Ist es denn nicht entsetzlich und eine Schande, dass hier in Deutschland jede Woche durchschnittlich drei Kinder getötet werden [18]?

Wenn man sich alle die hier zitierten Berichte im Zusammenhang betrachtet muss man einfach den Eindruck bekommen, dass bis auf die Taten von Sportschützen alle anderen Morde alltägliche Normalität sind und keine weitere Beachtung verdienen und schon gar keine Maßnahmen erfordern diese Taten in Zukunft zu verhindern.

Quellennachweis:

[1] Tim Herre: “Ein 17 Schüsse langer Alptraum” in Mannheimer Morgen 22.8.2013

[2] ala/dpa SpiegelOnline: „ Tödlicher Streit bei Eigentümerversammlung: Täter von Dossenheim war Sportschütze“; http://www.spiegel.de/panorama/justiz/toedliche-schiesserei-in-dossenheim-taeter-war-sportschuetze-a-917733.html; Stand 21.08.2013

[3] jba/jr / dpa/AFP FocusOnline: „Amokläufer von Dossenheim war Sportschütze“; http://www.focus.de/panorama/welt/tid-33059/drei-tote-fuenf-verletzte-bei-blutbad-in-baden-wuerttemberg-amoklaeufer-von-dossenheim-war-sportschuetze_aid_1077081.html; Stand 21.08.2013

[4] Stern.de: „Der Feind in meinem Haus“; http://www.stern.de/panorama/schiesserei-in-dossenheim-der-feind-in-meinem-haus-2052813.html; Stand 22.08.2013

[5] jtw/dpa NTV: „Drei Tote bei Drama in DossenheimMann schießt wild um sich“; http://www.n-tv.de/panorama/Mann-schiesst-wild-um-sich-article11204861.html; Stand 21.08.2013

[6] Hannoversche Allgemeine: „Tote bei Schießerei in Dossenheim“; http://www.haz.de/Nachrichten/Panorama/Fotostrecken-Panorama/Tote-bei-Schiesserei-in-Dossenheim#p1; Stand 21.08.2013

[7] Rhein-Zeitung: „Motiv bei tödlicher Schießerei in Dossenheim noch unklar“; http://www.rhein-zeitung.de/nachrichten/deutschland-und-welt_artikel,-Motiv-bei-toedlicher-Schiesserei-in-Dossenheim-noch-unklar-_arid,1026753.html; Stand 21.08.2013

[8] afp/AZ Augsburger Allgemeine: “Blutbad bei Schießerei nahe Heidelberg: Drei Tote, fünf Verletzte“; http://www.augsburger-allgemeine.de/panorama/Blutbad-bei-Schiesserei-nahe-Heidelberg-Drei-Tote-fuenf-Verletzte-id26702981.html; Stand 20.08.2013

[9] Zeit: „Drei Tote bei Schießerei in Dossenheim bei Heidelberg“; http://www.zeit.de/news/2013-08/20/d-drei-tote-bei-schiesserei-in-dossenheim-bei-heidelberg-20214603; Stand 20.08.2013

[10] Hamburger Abendblatt: „Bundesministerin Böhmer verließ Lokal kurz vor Schießerei“; http://www.abendblatt.de/vermischtes/article119227707/Bundesministerin-Boehmer-verliess-Lokal-kurz-vor-Schiesserei.html; Stand 21.08.2013

[11] SWR Landesschau: „Drei Tote und viele offene Fragen“; http://www.swr.de/landesschau-aktuell/bw/schiesserei-dossenheim-tote/-/id=1622/nid=1622/did=11927294/1axif08/

[12] SWR Landesschau: „Angehörige des Schützen entschuldigen sich“; http://www.swr.de/landesschau-aktuell/bw/trauerfeier-bluttat-dossenheim/-/id=1622/nid=1622/did=11949000/5ff8ph/index.html

[13] SWR Landesschau: „Schärfere Waffengesetze gefordert“; http://www.swr.de/landesschau-aktuell/bw/schaerfere-waffengesetze-gefordert/-/id=1622/nid=1622/did=11929612/uvkz3e/index.html

[14] SWR Landesschau: „Verantwortlich ist die Bundesregierung“; http://www.swr.de/landesschau-aktuell/bw/-/id=1622/did=11931386/nid=1622/1luig8t/index.html

[15] dpa t-online.de: „Beziehungsdrama: Zwei Frauen in Oberhausen erschossen“
http://www.t-online.de/nachrichten/panorama/kriminalitaet/id_42538300/oberhausen-zwei-frauen-sterben-bei-beziehungsdrama.html; Stand 15.08.2013
[16] Focus http://www.focus.de/panorama/welt/verdaechtiger-meldet-tote-selbst-frau-auf-parkplatz-in-bayern-erschossen_aid_1081273.html
[17] mp/saw/dpa Focus: „Mutter selbst führte Beamte zu Lea-Sophies Leiche“
http://www.focus.de/panorama/welt/zweijaehrige-von-stiefvater-totgeschlagen-mutter-selbst-fuehrte-beamte-zu-lea-sophies-leiche_aid_887056.html ; Stand 23.08.2013

[18] Tagesschau.de: „Gewalt an Kindern – in jedem Fall eine Tragödie“; http://www.tagesschau.de/inland/kindergewalt100.html; Stand 29.05.2012

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