Fachliteratur oder Lobbyistenpropaganda?

Ursprünglich veröffentlicht am 4. August 2013

Wie schon im März berichtet [1] hatte die Bundesvorsitzende der Grünen – Frau Roth – im Rahmen eines Life-Feed Gelegenheit die Fragen politisch Interessierter zu beantworten. Eine Frage zum Waffenrecht wurde dabei auffallend unkonkret beantwortet. Konkreter war hierbei schon die Aussage, dass die Waffenlobby als eine der stärksten Lobbys die Bundesregierung massiv unter Druck setzt. Diese Aussage wollte offenbar ein Zeitgenosse etwas genauer erläutert haben und forderte Frau Roth über Abgeordnetenwatch auf konkreter zu offenbaren welche Interessengruppe genauer hinter der Waffenlobby steckt und wie diese Einfluss auf die Öffentlichkeit nehmen [2]. Die Antwort des Mitarbeiter-Teams von Frau Roth liess nicht lange auf sich warten und offenbart einen interessanten Einblick in das politische Verständnis bezüglich freie Meinungsäusserung und Pressefreiheit.

Fachliteratur oder Lobbyistenpropaganda?

Fachliteratur oder Lobbyistenpropaganda?

Dass persönliche Kontakte von Vertretern des Deutsche Schützenbundes oder des “Forums Waffenrecht” persönliche Kontakte zu Politikern und Ministerien pflegen mag sicher im einen oder anderen Fall Lobbyqualitäten haben. Weshalb das Forum Waffenrecht in Anführungszeichen gesetzt wurde wird vermutlich nur das Mitarbeiter-Team Roth wissen. Aber dass das Team Roth auch „Veröffentlichungen in Fachzeitschriften und -literatur“ zu jenen Mitteln zählt mit denen die Waffenlobby „die allgemeine Öffentlichkeit“ beeinflusst zeigt m.E. eine etwas verzerrte Wahrnehmung der Realität. Denn aus der Sicht vom Team Roth „sind die meisten Fachzeitschriften mit viel Werbung und Anzeigen für Waffen und diverse Waffengattungen auch ein Tätigkeitsfeld für die Lobbyarbeit der Waffenindustrie.“ Gemeint sind wohl solche Zeitschriften wie Visier [3] und DWJ [4] sowie Wild & Hund [5]. Oder Bücher wie Faszination Waffe [6] und Waffenrepublik Deutschland [7]. Mit dieser Antwort vom Team Roth wird diese Fachliteratur eindeutig in einen ganz bestimmten Kontext und damit quasi in eine Schmuddelecke gestellt. Hiermit stellt das Team Roth direkt das Recht auf freie Meinungsäußerung und den freien Zugang zu Informationen in Frage. Von einer massiven Beeinflussung der Öffentlichkeit kann hier wohl kaum ausgegangen werden, da diese Druckerzeugnisse doch erheblich Geld kosten und auch nicht an jedem Zeitungskiosk erhältlich sind. Niemand wird gezwungen diese Druckerzeugnisse zu erwerben und zu lesen. Offenbar scheint es dem Team Roth überhaupt nicht zu gefallen, dass Interessierte über den Zeitschriften- und Buchhandel freien Zugang zu solchen Druckerzeugnissen erhalten. Ob auch solche Fachliteratur wie „Das Töten geht weiter“ [7] vom Team Roth als Produkt einer Lobby eingestuft wird wage ich zu bezweifeln. Jedenfalls offenbart die Antwort auf Abgeordnetenwatch ein eigenartiges Verständnis für Demokratie, freie Meinungsäußerung und freien Zugang zu Informationen.

Quellennachweis:

[1] Ebenda: http://volkert.caliber-corner.de/2013/03/26/claudia-roth-kampft-gegen-illegale-waffen/

[2] Abgeordnetenwatch: http://www.abgeordnetenwatch.de/frage-575-37903–f376568.html#q376568

[3] Visier: http://www.all4shooters.com/de/Zeitschriften/VISIER-im-Web/Aktuelles/

[4] DWJ: http://www.dwj.de/

[5] Wild und Hund: http://www.wildundhund.de/438,1/

[6] Arne Niederbacher: „Faszination Waffen“, 2004, Ars Una; ISBN:3-89391-465-X

Lars Winkeldorf: „Waffenrepublick Deutschland“, 2009, Fackerträger Verlag GmbH; ISBN: 978-3-7716-4450-5

[7] Gerhard Zastrow: „Das Töten geht weiter“, 2012Books on Demand; ISBN: 978-3-8448-9602-2

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