Amerikanische Verhältnisse

Ursprünglich veröffentlicht am 7. September 2013

Über die „Amerikanischen Verhältnisse“ in Bezug auf die Schusswaffenkriminalität wurde bereits vor einigen Monaten auf der Website der German Rifle Association berichtet [1]. Auf der Grundlage der vom FBI veröffentlichten Daten wurde dabei die tatsächliche Situation in den USA analysiert. Nachfolgend sind die Ergebnisse zusammengefasst dargestellt:

  • Die Mehrheit der Tötungsdelikte (bis zu 11Morde auf 1000.000 Einwohner)werden in den Metropolen begangen
  • 80% der Opfer sind Männer
  • 65% der Täter sind Männer
  • Die Mehrheit der Opfer und Täter gehören zur Altersgruppe der 20- bis 30-Jährigen
  • Der Anteil der Afroamerikaner liegt deutlich über den anderer Ethnien

Im Ergebnis kommt der Autor zum Schluss, dies „weniger auf ein Waffenproblem in den USA [hindeutet], sondern vielmehr auf ein soziales Problem junger Männer in Problembezirken”.

Die USA hat ein Gang Problem

Die USA hat ein Gang Problem

Diese Einschätzung des Autors wird im Podcast des kanadischen Bloggers und Essayisten Stefan Molyneux [2] bestätigt. In diesem Podcast zeichnet Molyneux ein düsteres Bild der gegenwärtigen amerikanischen Gesellschaft und zeichnet ein trostloses Bild der Zukunft der Gewalt in Amerika. Schon in der Einleitung weist Molyneux darauf hin, dass die USA kein Waffenproblem hat. Die USA hat ein Gang-Problem. Danach werden 80% der Tötungsdelikte von Mitgliedern krimineller Banden begangen. Diese Einschätzung Molyneux’ wird auch durch die US-Medien bestätigt (z.B. [3]). Auch die Opfer der Tötungsdelikte sind in der Regel Mitglieder von kriminellen Banden. Zum Beispiel waren 83% der in Chicago und sogar 91% der in Baltimore ermordeten Menschen für die Polizeibehörden keine unbeschriebenen Blätter. Die Mehrzahl der Tötungsdelikte konzentriert sich im Wesentlichen auf 12 Städte der Vereinigten Staaten. Mit einer Rate von 72,8 Delikten auf 100.000 Einwohner kann New Orleans mit Sierra Leone und Zimbabwe verglichen werden. Dabei zählen diese beiden Länder zu den sogenannten „Failed States“ die unter Bürgerkriegen und jahrzehntelanger Tyrannei durch Warlords leiden. Die Gangs in den USA setzen sich vornehmlich aus Mitgliedern der farbigen Bevölkerung zusammen. Die Mordrate in der weißen Bevölkerung ist mit der Belgiens vergleichbar. Bezüglich anderer Straftaten (z.B. Diebstahl, Betrug, etc.) liegt die Deliktrate bei der anderer Nationen. Das Gang-Problem in den USA hängt unter Anderem mit dem „War on Drugs“ (Drogenkrieg) zusammen, der durch die Armut bestimmter Bevölkerungsgruppen (z.B. illegale Einwanderer) und fehlenden sozialen Sicherungssystemen zusätzlich angefeuert wird. Gemäß Statistiken des Bureau of Labor Statistics gehen z.B. nur 46,9% der männlichen afroamerikanischen US-Bürger einer geregelten Arbeit nach [4]. Als weitere Faktoren, die die Bandenkrimninalität und damit die exorbitant hohe Anzahl Tötungsdelikte in den USA begünstigen nennt Molyneux massive Veränderungen in der familiären Struktur, insbesondere in farbigen Gesellschaftsgruppen. Die steigende Zahl alleinerziehender Eltern, insbesondere alleinerziehende Frauen, führt zu einem Mangel an familiärer Bindung. Insbesondere Alleinerziehende gehören in den USA häufig den ärmsten Bevölkerungsschichten an. Nach Molyneux führt möglicherweise das fast völlige Fehlen männlicher Rollenmodelle zu familiären Dysfunktionen, die sich in Vereinzelung und Ausgrenzung der Kinder und Jugendlichen manifestieren. In den USA sammeln sich insbesondere Jugendliche aus dysfunktionalen Familien in den Gangs, weil sie hier eine Art Gemeinschaftsgefühl und Anerkennung erleben.

Zusammenfassung:

Die USA haben trotz der gewaltigen Zahl von 270 Millionen bis 310 Millionen Schusswaffen im Privatbesitz [5] kein Waffenproblem. Vielmehr haben die USA ein Problem mit der Bandenkriminalität im Zusammenhang mit dem Drogenkrieg, denn die überwältigende Mehrzahl der Tötungsdelikte wird von einer relativ kleinen Bevölkerungsgruppe den Mitgliedern krimineller Banden begangen. Die Mitglieder solcher Banden kommen vor allem aus der armen, farbigen Bevölkerung, zumeist auch noch aus ungefestigten familiären Verbänden. Damit sind die sogenannten „Amerikanischen Zustände“ weit eher sozialen und ökonomischen Problemen, als der vermeintlich allgegenwärtigen Verfügbarkeit von Schusswaffen geschuldet. Darauf weist auch die Tatsache hin, dass die Rate der Tötungsdelikte in der weißen Bevölkerung mit der von Belgien vergleichbar ist. Wer also in der Diskussion um den privaten Besitz von Schusswaffen mit den „Amerikanischen Zuständen“ argumentiert sollte schon sehr genau die Ursachen differenzieren und erst dann den Vergleich herstellen.

Quellennachweis:

[1] FunGun: „Amerikanische Verhältnisse“ in http://german-rifle-association.de/yd14S; Stand Juli 2013

[2]Stefan Molyneux: „ American Violence: The Future of a Catastrophe“ in http://www.youtube.com/watch?v=g9bRDNgd6E4; Stand: 28.08.2013

[3] „Gangs Blamed for 80 Percent of U.S. Crimes“ in http://abcnews.go.com/TheLaw/FedCrimes/story?id=6773423&page=1

[4] United States Department of Labor: „Economic News Release“ in http://www.bls.gov/news.release/empsit.t01.htm; Stand 07.08.2013

[5] GunPolicy.org: http://www.gunpolicy.org; Stand 07.08.2013

 

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