Risikokompetenz

Wie gefährlich ist das Leben in Deutschland? Bei dieser Frage werden viele Zeitgenossen sicher gleich an Terroranschläge, Amokläufe und Schulmassaker denken von denen ständig in den Medien berichtet wird. Das Risiko einem solchen Attentat zum Opfer zu fallen wird deshalb im Allgemeinen als sehr hoch erachtet. Dabei erliegen die Menschen mit dieser Einschätzung einem subjektiven Fehlurteil. DerSchrei

Dabei lässt sich das Risiko (R) aus der Schadenwahrscheinlichkeit (N) und der Schadenhöhe (M) sogar quantifizieren:

R = N x M

Dies lässt sich am besten mit einem Beispiel erläutern: Bei einem Attentat sterben 120 Menschen. Ein solches Attentat kommt aber nur einmal in 10 Jahren vor. Das Risiko liegt damit statistisch bei 12 Opfern pro Jahr oder einem Opfer pro Monat. In einem anderen Fall kommt nur ein Mensch ums Leben, das aber im Durchschnitt jeden Monat. Statistisch betrachtet liegt das Risiko auch hier bei einem Toten pro Monat. Das Risiko ist also in beiden Fällen exakt gleich hoch. Dabei werden aber voraussichtlich die meisten Menschen das Attentat mit den 120 Opfern als deutlich gefährlicher erachten. Das lässt sich damit erklären, dass die meisten Menschen die Gefährlichkeit mit der Schadenshöhe – hier die Anzahl der Opfer eines einzelnen Attentats - gleichsetzen. Denn diese lässt sich meist einfacher begreifen und bleibt den Menschen vor allem bei größeren Attentaten mit vielen Opfern länger im Gedächtnis haften als viele kleine Ereignisse. Damit wird das Risiko z.B. eines Amoklaufes, der zwar viele Opfer fordert, aber selten vorkommt häufig überschätzt. Gleichzeitig aber wird die Gefahr von Einzeltaten - z.B. Messermorde -  die jede für sich nur einzelne Menschenleben fordern, dafür aber viel häufiger vorkommen erheblich unterschätzt. Man spricht in diesem Zusammenhang von einer subjektiven Risikowahrnehmung. Hinzu kommt, dass Berichte in den Medien das Angstempfinden der Menschen direkt beeinflussen. Welchen Einfluss die Berichterstattung in den Medien auf das Angstempfinden vor Islamistischen Terrorismus haben, zeigt eine Studie der Universität Jena [1]. Im Rahmen der Studie wurden Probanden nach ihrem Fernsehkonsum sowie nach ihrer Angst, selbst Opfer eines Anschlags zu werden befragt. Das Ergebnis: Die Angst der Menschen ist direkt davon abhängig, wie emotional die Berichterstattung ist. Wer häufig Berichte mit emotionalen und aufrüttelnden Bildern sieht, hat auch größere Angst, selbst Opfer eines solchen Anschlags zu werden. Ein weiteres Ergebnis der Studie ist die Erkenntnis, dass ca. 85% der Fernsehberichte nur die Anschläge mit ihren erschütternden Folgen und mögliche Sicherheitsmaßnahmen zeigen. Dadurch wird das Angstempfinden der Menschen verstärkt Nur etwa 15% der Berichte klären auch über Ursachen und Hintergründe auf und helfen damit den Rezipienten, die Gefahren realistischer einzuschätzen. Und wer kennt sie nicht die zahllosen aufrüttelnden Bilder der großen Amokläufe? Die Gefahr dabei ist, dass die sensationheischende Berichterstattung fern von der Erörterung der Ursachen und Hintergründen in den Menschen ein Gefühl der Bedrohung auslöst. Eine Bedrohung, der sie hilflos ausgeliefert sind. Eine derart wahrgenommene Bedrohung schafft dabei ein Konfliktklima in dessen Folge die Menschen intoleranter gegenüber allem werden, was von der Norm abweicht. So kommt zu fast zwangsläufig zu irrationalen Reaktionen. z.B. zu einer generellen Ablehnung des Schießsports. Die gefühlte Bedrohung führt dann zu einer konservativen und autoritären Haltung. Diese Menschen fordern deshalb erhöhte Sicherheitsvorkehrungen vom Staat und drängen Sportschützen und Jäger an den Rand der Gesellschaft. Gegen diese Reaktionen hilft nur Aufklärung über die Ursachen einer Bedrohung und darüber, wie hoch das Risiko tatsächlich ist. Das verringert das Gefühl der vermeintlichen Bedrohung hilflos ausgeliefert zu sein. Wem bewusst ist, dass das Risiko, in Deutschland Opfer eines Amoklaufs zu werden, gegen Null geht, kann der angeblichen Bedrohung gelassener gegenübertreten. Quellennachweis: [1] Wolfgang Frindte, Nicole Haußecker: „Inszenierter Terrorismus - Mediale Konstruktionen und individuelle Interpretationen“; VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2010, SBN 978-3-531-17551-5  

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