Öffentlichkeit und Gegenöffentlichkeit

Unlängst hat Marc Schieferdecker im Blog der German Rifel Association über eine Anfrage von Portrait-Fotografen berichtete, die eine Fotoserie über Waffenbesitzer in Deutschland machen wollen [1]. Für den Aufruf zum Mitmachen bekam er in vielen Kommentaren überraschend viel Gegenwind. Zu groß waren die Befürchtungen viele Waffenbesitzer, dass diese Fotoserie in einen falschen Kontext gestellt würden. Diese Befürchtung hatte Marc ebenso und dementsprechend wurde mit den Fotografen ein Vertrag geschlossen, der es Fotografen untersagen soll die Bilder in einen diskriminierenden Kontext zu stellen. Trotzdem wurde die Befürchtung geäußert, dass bildlich gesprochen der Schuss nach hinten losgehen wird und die Bilder dafür genutzt werden gezielt oder unterschwellig für andere Zwecke zu missbrauchen. GRA Aus den Kommentaren und Kritiken spricht ein ordentliches Maß an Misstrauen gegenüber den Protrait-Fotografen im speziellen und den Medien und der durch sie geprägten Öffentlichkeit im Allgemeinen. Dieses tiefe Misstrauen deckt sich mit den Befunden in der Studie von Arne Niederbacher. dass „das Schützenwesen sich als Kultur des Privaten [konstituiert]“, in welcher „der Einzelne in seiner privaten Praxis des Umgangs mit Waffen dem Image des Schützenwesens keinen (weiteren) Schaden zufügt. […] Insbesondere vertrauen die Schützen darauf, dass (vermeintlich) heikle Details nicht an die große Glocke gehängt werden, denn ihr Misstrauen gegenüber Außenstehenden, solche Details absichtsvoll falsch bzw. zu ihrem Nachteil auslegen zu wollen ist groß“ [2]. Tatsächlich werden in schöner Regelmäßigkeit von diversen meinungsbildenden Medien das Schützenwesen und der legale Waffenbesitz in ein äußerst ungünstiges Licht gestellt, indem einzelne Details aus dem konkreten Kontext gerissen und absichtlich oder fahrlässig verfälschend dargestellt werden. Insofern ist ein gesundes Misstrauen durchaus gerechtfertigt. Allerdings ist es auch kontraproduktiv, wenn sich Schützen und andere Waffenbesitzer der Öffentlichkeit verschließen und ihrem Hobby unter quasi im geheimen nachgehen. Diese Position wurde über Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte, eingenommen. Wegducken und nur nicht auffallen war die Devise. Das Kalkül dabei war ebenso einleuchtend wie falsch. Man erhoffte auf diese Weise dem schlechten Image des Schützen und Waffenbesitzer dadurch zu entgehen, indem man sich quasi unsichtbar machte. Wer sich in der Öffentlichkeit nicht exponiert kann auch nicht angegriffen werden. Allerdings braucht sich jemand der sich in der Öffentlichkeit nicht exponiert auch nicht zu wundern, wenn das Bild das über einen gezeichnet vollständig wird fremdbestimmt ist. Kurzum: Die Schützen haben sich bereits zu lange aus der Öffentlichkeit ferngehalten. Dementsprechend wurde das Bild der Schützen und anderer Waffenbesitzer der alleinigen Deutungshoheit der Medien und bestimmter politischer Kreise überlassen, die damit eigene Ziele verbinden und zunehmend Waffenbesitzer in eine bestimmte Ecke stellen. Heute ist es wichtiger als je zuvor, dass Waffenbesitzer endlich aus ihrem Schneckenhaus hervorkriechen, Position beziehen und dem falschen Image entgegenwirken, dass über sie verbreitet wird. Erst wenn die Öffentlichkeit erkennt, dass Schießen und Waffenbesitz von ganz normalen Menschen, dem Nachbarn von Nebenan, gepflegt wird, wird sie erkennen, dass das von den meinungsbildenden Medien und bestimmten politischen Interessen kolportierte Bild falsch ist. Insofern unterstütze ich den Aufruf von Marc mit diesen Portrait-Fotos eine Gegenöffentlichkeit zu schaffen und damit das Bild des Schützen und Waffenbesitzer zu beeinflussen. Quellennachweis: [1] German-Rifle-Association.de: „Dokumentar-Fotografen wollen Waffenbesitzer portraitieren“ http://german-rifle-association.de/45VXt (Stand 13.04.2013) [2] Arne Niederbacher: „Faszination Waffe – Eine Studie über Besitzer legaler Schusswaffen in der Bundesrepublik Deutschland“ Dissertation am Fachbereich 14 der Universität Dortmund; Ars Una 2004
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