Eine einfache Gleichung: Teil II – Weniger Waffen, weniger Morde

In der Diskussion um das Waffenrecht wird immer wieder die Ansicht geäußert, dass schon allein die Verfügbarkeit von Schusswaffen die Anzahl der Tötungsdelikte in die Höhe treiben würde. Dabei scheint diese Annahme auf den ersten Blick sogar logisch und damit die Schlussfolgerung naheliegend zu sein, dass weniger Waffen in der Gesellschaft automatisch zu weniger Toten führen sollte. Hierbei wird von der Annahme ausgegangen, dass die meisten Morde spontan aus einem Affekt heraus begangen werden. Wenn nun in solchen Fällen die Täter Zugriff auf Schusswaffen haben, werden Taten im Affekt zwangsläufig tödlich ausgehen. Als warnendes Beispiel wird immer wieder die USA genannt, ein Land mit einer extrem hohen Waffendichte und auch mit einer überdurchschnittlich hohen Anzahl von Tötungsdelikten. Nun läst sich die US-Amerikanische Gesellschaftsordnung mit dem verfassungsmäßig verankerten Recht auf Waffenbesitz nur bedingt mit deutschen Verhältnissen vergleichen. Deshalb wurden in der nachfolgenden Tabelle die verfügbaren Daten zu Schusswaffenbesitz und Schusswaffenverbrechen [1] für einige Staaten Europas zusammengestellt.

Waffenstatistik_Europa

Für die korrekte Interpretation der Daten müssen zunächst die Begriffe Waffendichte und Mordrate erläutert werden. Die Waffendichte bezeichnet die Anzahl der Waffen pro 100 Einwohner. Ein Wert von 12 bedeutet damit, dass statistisch gesehen auf 100 Einwohner 12 Schusswaffen kommen. Das bedeutet nicht, dass tatsächlich 12 von 100 Personen eine Schusswaffe besitzen. In der Regel werden viel weniger Personen im Besitz von mehr als einer Waffe sein. Weiter muss berücksichtigt werden dass in der Waffendichte auch die Dunkelziffer der illegalen Waffen einbezogen wurde. Die Mordrate ist ebenfalls ein statistischer Wert, der auf 100.000 Einwohner bezogen wird. Eine Mordrate von eins bedeutet demnach, dass statistisch gesehen einer von 100.000 Einwohnern einem Tötungsdelikt zum Opfer fällt. In der Mordrate sind alle Tötungsdelikte unabhängig vom Tatwerkzeug eingeschlossen. Deshalb wurden in der Tabelle auch die Mordraten aufgenommen, die mit Schusswaffen verübt wurden.

Im nachfolgenden Bild wurden diese Daten grafisch aufbereitet. Dabei wurden die Daten in der Reihenfolge ausgehend von hohen Waffendichten zu niedrigen Waffendichten angeordnet.

Waffenstatistik_Europa_GrafikBereits auf dem ersten Blick fallen folgende Unstimmigkeiten zur Hypothese auf, dass weniger Waffen automatisch auch weniger Morde bedeuten. Z.B. verzeichnet ausgerechnet Litauen, das Land mit der geringsten Waffendichte, die höchste Mordrate Europas. Gleichzeitig verzeichnet die Schweiz als Land mit der neben Finnland höchsten Waffendichte die wenigsten Morde, wenngleich diese Morde offenbar häufiger mit Schusswaffen als Tatmittel begangen werden. Mit der Ausnahme von Finnland verzeichnen in Europa ausgerechnet die Länder mit weit überdurchschnittlich hohen Waffendichten die geringste Anzahl an Tötungsdelikten. Hieraus den Schluss zu ziehen, dass mehr Waffen auch mehr Sicherheit bedeuten wäre aber ebenfalls kurzsichtig, wie das Beispiel Finland nahelegt, welches mit 2,3 Tötungsdelikten deutlich über dem europäischen Durchschnitt liegt. In dem folgenden Bilde wurden die Zahlen der in den europäischen Staaten registrierten Mordraten über den jeweiligen Waffendichten aufgetragen und zusätzlich die Trendlinie, sowie das Bestimmtheitsmaß eingetragen. Die eingezeichneten Trendlinien scheint eine Tendenz zu weniger Morden bei höheren Waffendichten nahezulegen. Allerdings ist, wie das Bestimmtheitsmaß nahelegt diese Korrelation äußerst fragwürdig.

MordevsWaffenverfügbarkeit_EuropaAus der hier dokumentierten Faktenlage ergibt sich nur eine Schlussfolgerung: Es gibt keine Korrelation zwischen der Verfügbarkeit von Schusswaffen und Gewaltverbrechen. Damit ist jegliche Diskussion, dass ein mehr oder weniger an Schusswaffen sich in der Kriminalstatistik bemerkbar macht sinnlos und nicht zielführend. Die tatsächlichen Gründe für Gewaltverbrechen sind ganz wo anders zu suchen als im Waffenbesitz.

Quellennachweis:

[1] GunPolicy.org (Stand: 30 Mär 2013): http://www.gunpolicy.org/

 

%d Bloggern gefällt das: